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ElfenbeinkĂŒste
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Die ElfenbeinkĂŒste (amtsdeutscher Name Republik CĂŽte d’Ivoire,cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] französisch RĂ©publique de CĂŽte d’Ivoire []) ist ein Staat in Westafrika. Er grenzt an Liberia, Guinea, Mali, Burkina Faso und Ghana und im SĂŒden an den Atlantischen Ozean.

Der Staat, der am 7. August 1960 die UnabhĂ€ngigkeit von Frankreich erlangte, war jahrzehntelang politisch stabil und wurde durch die Einheitspartei PDCI (Parti DĂ©mocratique de CĂŽte d’Ivoire) des damaligen PrĂ€sidenten HouphouĂ«t-Boigny regiert. Exporterlöse aus Kakao und Kaffee garantierten einen relativen Wohlstand. Bis heute ist die ElfenbeinkĂŒste der weltweit grĂ¶ĂŸte Exporteur von Kakao. Innere Spannungen fĂŒhrten 1990 zum Ende der PDCI-Herrschaft. Mit zunehmenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den Verfall der Kakaopreise eskalierten die Konflikte und fĂŒhrten zu einem bĂŒrgerkriegsĂ€hnlichen Zustand, der den Staat 2002 in zwei Teile zerriss. Seit dem Friedensvertrag von 2007 wird an der Versöhnung und Wiedervereinigung der ElfenbeinkĂŒste gearbeitet. Seitdem zĂ€hlt sie zu den am schnellsten wachsenden Wirtschaften Afrikas.

Seit 1983 ist Yamoussoukro die offizielle Hauptstadt. Der Regierungssitz befindet sich in der frĂŒheren Hauptstadt Abidjan, die auch weiterhin das wirtschaftliche und politische Zentrum des Staates darstellt.

Contents

‱ Geografie
‱ Geologie
‱ Klima
‱ Hydrologie
‱ Flora
‱ Fauna
‱ StĂ€dte
‱ Demografie
‱ Sprachen
‱ Religionen
‱ Diaspora
‱ Bildung
‱ Gesundheit
‱ Landesname
‱ Geschichte
‱ Politik
‱ Verfassung
‱ Exekutive
‱ Legislative
‱ Judikative
‱ MilitĂ€r
‱ Wirtschaft
‱ Industrie
‱ Tourismus
‱ Korruption
‱ Verkehr
‱ Kultur
‱ Literatur
‱ Musik
‱ Architektur
‱ Kunst
‱ KĂŒche
‱ Medien
‱ Sport
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geografie

Der SĂŒden der ElfenbeinkĂŒste hat eine 515 Kilometer lange KĂŒstenlinie am Atlantischen Ozean am westlichen Ende des Golfs von Guinea. Die LĂ€nge der Landesgrenzen zu den Nachbarstaaten sind: Burkina Faso 545 km, Ghana 720 km, Guinea 816 km, Liberia 778 km und Mali 599 km. Das Relief ist eher flach, das OberflĂ€chenprofil ist von Ebenen und Hochebenen gekennzeichnet. Allein der Westen des Landes weist Höhen von mehr als 1000 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel auf. Hier, genau auf der Grenze zu Guinea, befindet sich der Mont Nimba, der mit 1752 m der höchste Berg beider Staaten ist.cite-ref-7[7] Der Norden des Landes wird auch von einem Teil der Oberguineaschwelle durchzogen. Davon abgesehen sind die restlichen Ebenen zwischen 200 und 350 Meter hoch gelegen.

Die höheren Plateaus haben schroffe Formen und sind aus hartem Material. Die niedriger gelegenen Ebenen haben sanftere Formen und sind in der Regel aus lockererem Material. WeitrĂ€umige, platte Gegenden charakterisieren die Savannenlandschaften wie auch die kleinen SavanneneinschlĂŒsse in den Regenwaldgebieten. Das dominierende Element der Ebenen und Hochebenen ist eine eisenhaltige Kruste, die an der OberflĂ€che als rostfarbene Platten sichtbar ist, hĂ€ufig jedoch von Sand, Kies oder feinerem Material verdeckt wird.cite-ref-rougerie76-8-0[8]

GewĂ€sser bedecken 4460 kmÂČ oder 1,383 % des Territoriums der ElfenbeinkĂŒste. Dies sind der Atlantische Ozean und die angrenzenden Lagunen im SĂŒden des Landes, wobei die bedeutendsten Lagunenkomplexe Aby-Tendo-Ehy, EbriĂ© und Grand-Lahou-Tadio-Makey-Tagba sind. Es gibt zahlreiche FließgewĂ€sser, die das ganze Land entwĂ€ssern (siehe Abschnitt:Hydrologie). Die grĂ¶ĂŸten Seen des Landes sind Talsperren: Der Kossoustausee, der Buyostausee und der AyamĂ©stausee. Schließlich gibt es zahlreiche BĂ€che und mehrere Sumpfgebiete.cite-ref-rougerie76-8-1[8]

Geologie

Der kristalline Unterbau besteht aus Migmatiten und Gneis (magmatischer sowie sedimentĂ€rer Herkunft), Charnockiten, Noriten sowie verschiedenen Arten von Graniten. Sie sind Teil des westafrikanischen Kratons, der vor mehr als zwei Milliarden Jahren entstanden ist. Das Phyllitgestein besteht grĂ¶ĂŸtenteils aus Tonschiefer und Quarziten. Dieser Sockel ist von einer dĂŒnnen Sedimentschicht bedeckt, die aus Tonsand kontinentalen Ursprungs sowie aus Ton, Sand und Schlamm maritimen Ursprungs besteht.cite-ref-rougerie94-ff-9-0[9]cite-ref-wozazek-10-0[10]

Die Böden der ElfenbeinkĂŒste haben die gleichen Eigenschaften wie jene der benachbarten LĂ€nder Westafrikas und vieler anderer tropischer Regionen. Sie sind locker, seltener verhĂ€rtet, aus einem Material in roten ockerfarbenen und dunklen rostbraunen Farbtönen.cite-ref-rougerie75-ff-11-0[11] Es handelt sich um ferrallitische Bodentypen, die grĂ¶ĂŸtenteils durch Verwitterung entstanden sind.

Klima

Die ElfenbeinkĂŒste liegt zwischen 4° und 10° nördlicher Breite; die Entfernung zum Äquator betrĂ€gt etwa 400 km von der sĂŒdlichen KĂŒste des Landes, die zum nördlichen Wendekreis etwa 1400 km von der Nordgrenze. An den KĂŒsten der ElfenbeinkĂŒste herrscht deshalb ein immerfeuchtes tropisches Klima, das im Ă€ußersten Norden in ein trockenes Klima ĂŒbergeht.cite-ref-12[12] Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 28 °C, jedoch kennen die Bewohner markante Temperaturunterschiede zwischen den nördlichen und sĂŒdlichen Regionen ihres Landes sowie zwischen den einzelnen Jahreszeiten.

GeprĂ€gt wird das Klima durch die Windsysteme des Nordost-Passats und des SĂŒdwestmonsuns: Der Nordost-Passat (Harmattan) bringt im Winter heiße, trockene, staubbeladene Luft aus der Sahara und trocknet das Land aus. Die Herkunft des westafrikanischen Monsuns ist im Golf von Guinea, dementsprechend bringt er feuchtwarme Luft. Er bestimmt das Klima des SĂŒdens der ElfenbeinkĂŒste ganzjĂ€hrig, im Norden bringt er Sommerregen.cite-ref-wozazek-10-1[10]

Demnach werden in der ElfenbeinkĂŒste drei Klimazonen unterschieden.

‱ Das Ă€quatoriale Klima (auch AttiĂ©klima) im SĂŒden wird charakterisiert durch geringe Temperaturschwankungen (generell zwischen 25 °C und 30 °C), sehr hohe Luftfeuchtigkeitswerte (zwischen 80 % und 90 %) und reichlich NiederschlĂ€ge, die in Abidjan jĂ€hrlich 1766 mm und in Tabou 2129 mm erreichen. Es gibt hier zwei Trocken- und zwei Regenzeiten. Die große Trockenzeit dauert von Dezember bis April, zeichnet sich durch große Hitze aus und kennt nur vereinzelten Regen. Die kleine Trockenzeit fĂ€llt auf die Monate August und September. Die große Regenzeit dauert von Mai bis Juli, wĂ€hrend die kleine im Oktober und November ist.cite-ref-chiff13-13-0[13]
‱ Das feuchte Savannenklima (auch BaoulĂ©-Klima) bestimmt den Norden der Regenwaldzone und den SĂŒden der Savannen und beginnt etwa 200 km nördlich der KĂŒstenlinie. Die Temperaturen zeigen stĂ€rkere Schwankungen zwischen 14 °C und 33 °C, die Luftfeuchte liegt in der Regel zwischen 60 % und 70 %. Die jĂ€hrlichen NiederschlĂ€ge liegen bei etwa 1200 mm in BouakĂ©. Auch hier gibt es vier Jahreszeiten: zwei Trockenzeiten von November bis MĂ€rz bzw. von Juli bis August sowie zwei Regenzeiten von Juni bis Oktober sowie von MĂ€rz bis Mai.cite-ref-chiff13-13-1[13]
‱ Das trockene Savannenklima (auch sĂŒdsudanesisches Klima) herrscht in den nördlichen Savannenregionen vor. Es zeigt relativ starke tĂ€gliche Schwankungen von 20 °C. Die Luftfeuchte ist viel niedriger als im LandessĂŒden und liegt zwischen 40 % und 50 %. In diesen Regionen tritt auch der Harmattan auf, in Form eines kĂŒhlen und trockenen Windes, zwischen Dezember und Februar. Der Norden der ElfenbeinkĂŒste kennt nur zwei Jahreszeiten: die Trockenzeit zwischen November und Juni mit vereinzelten RegenfĂ€llen im April, und einer Regenzeit zwischen Juli und Oktober. Die jĂ€hrlichen NiederschlĂ€ge, die in dieser Gegend gemessen werden, betragen etwa in Korhogo 1203 mm.

Klimadiagramme von Abidjan (SĂŒdregion)

Klimadiagramme von Bouaké (Zentralregion)

Klimadiagramme von Odienné (Nordwestregion)

Das Klima von Odienné, einer Stadt im Nordwesten, ist von den nahen Bergen geprÀgt und hat deshalb höhere Niederschlagswerte (1491 mm) und niedrigere Temperaturen als Regionen östlich davon.cite-ref-chiff13-13-2[13] In Man (noch höher in den Bergen gelegen) erreichen die Niederschlagswerte sogar 1897 mm pro Jahr.

Hydrologie

Vor allem sind hier die vier großen FlĂŒssecite-ref-15[15] Cavally (700 km), Sassandra (650 km), Bandama (1050 km) und ComoĂ© (1160 km) zu nennen. Andere wichtige FlĂŒsse sind entweder NebenflĂŒsse davon oder sie sind KĂŒstenflĂŒsse, die ihre eigenen Einzugsgebiete haben. Nennenswert sind der Tabou, der NĂ©ro, der San Pedro, der Bolo, der Niouniourou, der Boubo, der AgnĂ©by, die MĂ© und die Bia.

Aufteilung des Landes in seine Einzugsgebietecite-ref-jica2-16-0[16]

| Fluss | EinzugsgebietsflĂ€che Gesamt [kmÂČ] | FlĂ€che in der ElfenbeinkĂŒste [kmÂČ] [ 16 ] | Prozent der LandesflĂ€che |
|---|---|---|---|
| Bandama | 99.700 | 99.700 | 30,6 |
| Sassandra | 75.000 | 67.000 | 20,6 |
| Comoé | 78.000 | 57.300 | 17,6 |
| Niger | 2.092.000 | 22.600 | 6,9 |
| Cavally | 30.000 | 16.600 | 5,1 |
| Schwarzer Volta | 149.000 | 12.500 | 3,8 |
| Cestos (Nuon) | 12.700 | 2.300 | 0,7 |
| Bia | 10.100 | 3.200 | 1,0 |
| Tano | 16.100 | 1.200 | 0,4 |
| Agnéby | 8.900 | 8.900 | 2,7 |
| Boubo | 5.100 | 5.100 | 1,6 |
| MĂ© | 4.300 | 4.300 | 1,3 |
| San Pedro | 3.400 | 3.400 | 1,0 |
| Go | 2.200 | 2.200 | 0,7 |
| Niouniourou | 2.100 | 2.100 | 0,6 |
| Niero | 1.300 | 1.300 | 0,4 |
| Bolo | 1.300 | 1.300 | 0,4 |
| Brime | 1.200 | 1.200 | 0,4 |
| Dodo | 800 | 800 | 0,2 |
| Tabou | 800 | 800 | 0,2 |
| Weitere KĂŒstenflĂŒsse | | 6.700 | 2,1 |
| Gesamt | | 325.600 | 100,0 |

Siehe auch

:

Liste der FlĂŒsse in der ElfenbeinkĂŒste

Flora

Die Vegetation lĂ€sst sich in zwei Zonen einteilen: Eine sĂŒdliche, guineische Zone und eine nördliche sudanesische Zone. Die Grenze zwischen diesen beiden Zonen liegt parallel zur KĂŒstenlinie etwa beim 8. Breitengrad. Die sĂŒdliche Zone ist von immergrĂŒnem Regenwald und Mangroven (Guineische Mangroven), davon eine westlich von Abidjan, an der MĂŒndung des Flusses Bia, und eine noch weiter westlich davon an der MĂŒndung des Flusses Boubo, geprĂ€gt. In der nördlichen Zone herrschen TrockenwĂ€lder (mit periodischem Laubwechsel) und Savannen (die Sudan-Savanne, die ein Drittel des Territoriums bedeckt, und die Guinea-Savanne) vor, wobei der Trockenwald als Übergang vom Regenwald zur Savanne gesehen werden kann. Im zentralen Teil der ElfenbeinkĂŒste liegt das Guineische Wald-Savannen-Mosaik, das aus ineinandergreifenden Zonen aus Grasland, Savanne und dichtem Feuchtwald und Galeriewald an FlusslĂ€ufen besteht.cite-ref-wozazek-10-2[10]

Nennenswerte Vertreter der Flora in der ElfenbeinkĂŒste sind BĂ€ume wie der Affenbrotbaum, Iroko, Tali, Amazakoue, Tiama und Movingui, die teils hohe Bedeutung fĂŒr den Export von Holz haben. In den WĂ€ldern wachsen Epiphyten und Orchideen, wĂ€hrend Schlangenwurze, Manniophyton, Knoblauchbaum, Milne-Redhead und Belluci Bedeutung als traditionelle Heilpflanzen haben.

Die Vegetation der ElfenbeinkĂŒste hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch menschliches Zutun grundlegend geĂ€ndert. UrsprĂŒnglich war ein Drittel des Landes im SĂŒden und Westen vollstĂ€ndig von dichten WĂ€ldern bedeckt.cite-ref-17[17] Dazu kamen Baumsavannen im Zentrum und Norden sowie kleine Mangroven an der KĂŒste. Seit der Kolonialzeit hat sich der Waldbestand stark verringert, teils durch die Anlage von Plantagen, teils durch Abholzung. FĂŒr das Jahr 2007 wurde der natĂŒrliche Waldbestand auf 6 Millionen Hektar geschĂ€tzt.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]

Fauna

Die Fauna ist besonders artenreich. Unter den SĂ€ugetieren ist der Elefant das Tier, dessen StoßzĂ€hne, als Elfenbein gehandelt, dem Land seinen Namen gaben. Sein in Wald und Savanne einst hoher Bestand ist mittlerweile durch Jagd und Wilderei stark reduziert, so dass er heute nur noch in Reservaten anzutreffen ist. Daneben gibt es Flusspferde, Riesenwaldschweine, Ducker, Primaten, Nagetiere, Schuppentiere, Raubkatzen wie Leoparden sowie Mangusten; in den Steppen sind HyĂ€nen und Schakale anzutreffen. Das seltene Zwergflusspferd hat im Nationalpark TaĂŻ im SĂŒdwesten des Landes eines seiner wichtigsten Vorkommen.cite-ref-redlist-20-0[20] Auch leben hier hunderte Arten von Vögeln (Reiher, Störche wie Wollhalsstorch und Marabu, Enten und GĂ€nse sowie Greifvögel). In und an den FlusslĂ€ufen der Savanne lebt das Westafrikanische Panzerkrokodil, in den FlĂŒssen der RegenwĂ€lder das Stumpfkrokodil. Schlangen wie Kobras, Mambas, Puffotter, Gabunviper und Nashornviper, Felsenpython und Königspython kommen ebenso vor wie Termiten, die die Landschaft mit zahlreichen TermitenhĂŒgeln verzieren, und KĂ€fer wie etwa der Pillendreher. In den FlĂŒssen leben zahlreiche Fischarten wie Buntbarsche oder der Afrikanische Vielstachler, wĂ€hrend in den KĂŒstengewĂ€ssern Garnelen, Sandtiger- und sonstige Haie, Seenadeln, Rochen, Froschfische, Plattfische oder auch die seltene Unechte Karettschildkröte vorkommen. Zahlreiche Arten, etwa die Schimpansen, sind bereits sehr selten oder vom Aussterben bedroht.cite-ref-21[21]

Nationalparks

Seit 1953 wurden acht Nationalparks ausgewiesen, der Ă€lteste ist der Nationalpark Banco. Die bekanntesten sind der Nationalpark TaĂŻ (im SĂŒdwesten des Landes) und der Nationalpark ComoĂ© (im Nordosten), die beide auch Weltnaturerbe-Gebiete sind. Weitere Nationalparks heißen Nationalpark MarahouĂ© (im Zentrum, westlich des Kossoustausees), Nationalpark Mont SangbĂ© und Nationalpark Mont PĂ©ko (beide im Westen) sowie, an der KĂŒste westlich und östlich von Abidjan liegend, der Nationalpark Azagny und der Nationalpark Îles EhotilĂ©.

Als drittes Weltnaturerbe-Gebiet wurde das Mont Nimba Strict Nature Reserve auf die UNESCO-Welterbe-Liste gesetzt; mit einem grĂ¶ĂŸeren Teil setzt sich das Strenge Naturreservat (Kategorie Ia der IUCN-Kategorien) grenzĂŒberschreitend in Guinea fort.

StÀdte

Als Stadt werden in der ElfenbeinkĂŒste urbane RĂ€ume mit mindestens 3000 Einwohnern definiert, in denen mehr als 50 % der Bevölkerung einer nicht-landwirtschaftlichen ErwerbsbetĂ€tigung nachgehen. Im Jahr 2023 lebten 53 Prozent der Einwohner der ElfenbeinkĂŒste in StĂ€dten.cite-ref-bevstadt-22-0[22] Die grĂ¶ĂŸten Metropolregionen sind (Stand Zensus 2014):cite-ref-23[23]

1. Abidjan: 4.395.243 Einwohner
2. Bouaké: 536.719 Einwohner
3. Daloa: 245.360 Einwohner
4. Korhogo: 243.048 Einwohner
5. Yamoussoukro: 212.670 Einwohner
6. San-Pédro: 164.944 Einwohner
7. Gagnoa: 160.465 Einwohner
8. Man: 149.041 Einwohner

Siehe auch

:

Liste der StĂ€dte in der ElfenbeinkĂŒste

Bevölkerung

Demografie

Die Bevölkerung der ElfenbeinkĂŒste – Ivorer genannt – zeichnet sich, Ă€hnlich wie jene der meisten EntwicklungslĂ€nder, durch ein schnelles Wachstum aus. Zwischen 1975 und 2005, in nur 30 Jahren, verdreifachte sich die Bevölkerung von 6,7 Millionen auf fast 20 Millionen.cite-ref-chiffres14-15-24-0[24] Dieses Wachstum geht zu einem gewissen Teil auf Einwanderung zurĂŒck; die VolkszĂ€hlung 1998 ergab, dass 26 % der Bevölkerung Nicht-Ivorer waren.cite-ref-chiffres14-15-24-1[24] Diese Einwanderer stammen zum Großteil aus den NachbarlĂ€ndern und wurden vor dem BĂŒrgerkrieg von der relativ hohen wirtschaftlichen Entwicklung und der sozialen und politischen StabilitĂ€t angezogen. Insgesamt leben zwei Millionen Menschen aus Burkina Faso in der ElfenbeinkĂŒste, die den grĂ¶ĂŸten AuslĂ€nderanteil stellen. Daneben wanderten zahlreiche Personen aus Mali, Guinea, dem Senegal, Liberia und Ghana ein. Ferner findet man Libanesen, die vor allem Handel betreiben, Asiaten und EuropĂ€er. AuslĂ€nder, die eingebĂŒrgert wurden, machen nur 0,6 % aus.

ElfenbeinkĂŒste hatte 2022 28,2 Millionen Einwohner.cite-ref-25[25] Das jĂ€hrliche Bevölkerungswachstum betrug + 2,5 %. Zum Bevölkerungswachstum trug ein GeburtenĂŒberschuss (Geburtenziffer: 33,5 pro 1000 Einwohnercite-ref-26[26] vs. Sterbeziffer: 8,8 pro 1000 Einwohnercite-ref-27[27]) bei. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 4,3, die der Region West- und Zentral-Afrika betrug 4,9.cite-ref-gebrat-28-0[28] Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2021 bei 17,6 Jahren.cite-ref-29[29] Im Jahr 2023 waren 41,1 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre,cite-ref-30[30] wĂ€hrend der Anteil der ĂŒber 64-JĂ€hrigen 2,4 Prozent der Bevölkerung betrug.cite-ref-31[31]

Bevölkerungsstruktur

Die Bevölkerung ist ungleich ĂŒber das Territorium des Landes verteilt. 53 % Stadtbevölkerung stehen 47 % Landbevölkerung gegenĂŒbercite-ref-bevstadt-22-1[22], wobei die Stadtbevölkerung um 4,2 % jĂ€hrlich zunimmt.cite-ref-chiffres14-15-24-2[24] Der Trend der Landflucht hat sich durch den BĂŒrgerkrieg noch verstĂ€rkt.

Der ivorische Staat erkennt circa 60 Volksgruppen an,cite-ref-chiffres14-15-24-3[24] die lange Zeit friedlich zusammenlebten. Eheschließungen zwischen Angehörigen verschiedener Ethnien sind vor allem in den StĂ€dten nicht mehr selten. Die Völker werden in vier Kultur- und Sprachgruppen unterteilt:

‱ Die grĂ¶ĂŸte Bevölkerungsgruppe ist die Kwa-Gruppe, welche vor allem im Zentrum des Landes verbreitet ist. Von ihnen stellen die Akan 42,1 % der Gesamtbevölkerung: Die politisch einflussreichste Gruppe der ElfenbeinkĂŒste sind die ursprĂŒnglich aus dem Osten des Landes stammenden Baule (23 % der Bevölkerung), sowie die Agni (11 %), daneben zĂ€hlen zu den Akanvölkern die AbĂ© und die Akie.
‱ Im SĂŒdwesten leben die auch im benachbarten Liberia siedelnden Kru-Völker: BĂ©tĂ©, Kru und Weh. Sie machen etwa 11 % der Gesamtbevölkerung aus und leben auch im SĂŒden.
‱ Im Norden leben die Voltaic mit etwa 17,6 % der Gesamtbevölkerung: Dies ist das Siedlungsgebiet des Bauern- und KĂŒnstlervolks der Senufo (etwa 15 % der Bevölkerung).
‱ Die Mande-Gruppe ist im Nordwesten beheimatet: Davon bilden die Northern Mande 16,5 % der Gesamtbevölkerung, vor allem die MalinkĂ©/Dyula (5,5 % der Bevölkerung) mit der Stadt Kong als Zentrum; sie sind als HĂ€ndler allerdings im ganzen Land anzutreffen. In der Umgebung von Man leben die Southern Mande (10 %) – darunter Yakuba (5 % der Bevölkerung, auch Dan genannt), welche fĂŒr ihre ausdrucksvollen Masken- und StelentĂ€nze bekannt sind, und Guro (5 %).cite-ref-meyers-32-0[32]cite-ref-cia-33-0[33]

Aufgrund der Landflucht und der zunehmenden VerstÀdterung findet man in den StÀdten praktisch alle Ethnien. Vor allem in den kleineren StÀdten gibt es eine gewisse Tendenz, in eigenen Vierteln zusammenzuleben.

Sprachen

→

Hauptartikel

:

Sprachen der ElfenbeinkĂŒste

Neben der Amtssprache Französisch, die meist nicht normenkonform benutzt wird, werden in der ElfenbeinkĂŒste 77 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. Die grĂ¶ĂŸten sind das Baule und das Dyula, daneben werden auch Senufo-Sprachen, Yacouba, Anyi, Attie, Guere, Bete, Abe, Kulango, Mahu, Tagwana, WobĂ© und Lobi gesprochen. Als Umgangssprache in Abidjan dient Nouchi.

Die mit Abstand am weitesten verbreitete Sprache ist Dioula, das von insgesamt 61 % der Bevölkerung vor allem im Norden gesprochen und verstanden wird und als Handelssprache eine große Bedeutung hat. Allerdings ist seit der französischen Kolonialzeit die einzige Amts- und Unterrichtssprache des Landes Französisch.

Religionen

In der ElfenbeinkĂŒste herrscht eine hohe religiöse DiversitĂ€t. Die am weitesten verbreiteten Religionen sind der Islam (38,6 %) und das Christentum (32,8 %); dabei ist der Norden eher islamisch geprĂ€gt, wĂ€hrend der SĂŒden christlich geprĂ€gt ist. 11,9 % der Bevölkerung praktiziert traditionelle westafrikanische Religionen – vor allem die Religion der Akan –, die bis zu einem gewissen Ausmaß auch die AusĂŒbung der anderen Religionen beeinflussen.cite-ref-cia-33-1[33] Der Islam begann sich im Ă€ußersten Norden der ElfenbeinkĂŒste ab dem 11. Jahrhundert auszubreiten. Das Christentum wurde an der KĂŒste im 17. Jahrhundert durch Missionare eingefĂŒhrt.

Die gegenwĂ€rtige Entwicklung ist durch eine wachsende Islamisierung geprĂ€gt. Noch kurz vor der Jahrtausendwende bekannten sich 40 % der Einwohner zu den traditionellen westafrikanischen Religionen. Der Islam, zu dem sich Mitte der 1980er Jahre erst rund 24 % der Gesamtbevölkerung bekannten, ist seitdem, vor allem durch Mission unter den AnhĂ€ngern der traditionellen westafrikanischen Religionen (besonders der Senufo) die am stĂ€rksten wachsende Religionsgemeinschaft. 2004 waren bereits 35 % der Einwohner sunnitische Muslime.cite-ref-meyers-32-1[32] Als Dachverband der muslimischen Organisationen der ElfenbeinkĂŒste fungiert der 1993 gegrĂŒndete „Nationale Islamische Rat“ (Conseil national islamique; CNI).cite-ref-34[34] Innerhalb dieses Dachverbandes spielt die muslimische Studentenorganisation Association des Ă©lĂšves et Ă©tudiants musulmans de CĂŽte d’Ivoire (AEEMCI) eine wichtige Rolle.cite-ref-35[35] Die jĂ€hrliche Wallfahrt nach Mekka wird von der Association musulmane pour l’organisation du pĂšlerinage Ă  la Mecque (AMOP) organisiert.cite-ref-36[36] Eine wichtige Untergruppe innerhalb der Muslime der ElfenbeinkĂŒste stellen die Yacoubisten, die AnhĂ€nger von Yacouba Sylla, dar.

Generell herrschen in der ElfenbeinkĂŒste religiöse Toleranz und friedliches Miteinander. Die religiösen Feiertage werden frei von den jeweiligen GlĂ€ubigen begangen und von allen akzeptiert. Die ElfenbeinkĂŒste ist offiziell ein laizistischer Staat, wenngleich ReprĂ€sentanten des Staates zu religiösen Zeremonien entsandt werden und spezielle konfessionelle Schulen finanzielle Zuwendungen vonseiten des Staates erhalten.cite-ref-37[37]

Diaspora

Zahlreiche Ivorer leben im Ausland, wenngleich ihre genaue Zahl nicht feststellbar ist, da ein Teil von ihnen in ihren AufenthaltslĂ€ndern illegal eingewandert ist. SchĂ€tzungen gehen von etwa 1,5 Millionen Auslands-Ivorern aus. Begehrteste Ziele ivorischer Auswanderer sind Frankreich, Belgien, die Schweiz, Italien, Deutschland, die USA und Kanada. Diese Auswanderer haben eine große Bedeutung fĂŒr die ivorische Wirtschaft: Sie ĂŒberweisen einerseits hohe Summen, um die daheim gebliebenen Angehörigen zu unterstĂŒtzen, andererseits sind Heimkehrer aus dem Ausland bedeutende Teilnehmer am Immobilienmarkt.cite-ref-38[38]

Bildung

WĂ€hrend einerseits auslĂ€ndische Investoren das hohe Bildungsniveau der Eliten schĂ€tzen,cite-ref-bfai-39-0[39] so stellen andererseits mangelnde Bildung und Analphabetismus große Probleme dar. 2016 lag die Alphabetisierungsrate in der ElfenbeinkĂŒste bei 43,1 % (Frauen: 32,5 % MĂ€nner: 53,1 %). Es wird geschĂ€tzt, dass mehr als vier Millionen Jugendliche keine Ausbildung und keinen Arbeitsplatz haben.cite-ref-40[40]

Der Staat gab 2001 4,6 % des Bruttoinlandsprodukts bzw. 21,5 % seines Budgets fĂŒr Bildungszwecke aus. Davon entfielen 43 % auf die Grundschulen, 36 % auf die weiterfĂŒhrende Bildung und 20 % auf die UniversitĂ€ten.cite-ref-unescostat-41-0[41]

In der ElfenbeinkĂŒste stieg die mittlere Schulbesuchsdauer ĂŒber 25-JĂ€hriger von 2 Jahren im Jahr 1990 auf 5 Jahre im Jahr 2015 an. Die aktuelle Bildungserwartung liegt bei 8,9 Jahren.cite-ref-42[42]

KindergÀrten und Schulen

Das Bildungssystem der ElfenbeinkĂŒste ist stark an jenes von Frankreich angelehnt und wurde kurz vor der UnabhĂ€ngigkeit eingefĂŒhrt.cite-ref-43[43] Es besteht Schulpflicht und die Schulbildung ist kostenfrei, um den Schulbesuch der Kinder im schulpflichtigen Alter zu fördern bzw. zu ermöglichen. Das Bildungssystem umfasst eine Grundschule und eine weiterfĂŒhrende Schule, an die sich die tertiĂ€re Bildung anschließt.

Vor dem Grundschulbesuch gibt es optionale KindergĂ€rten, von denen 2001/2002 auf dem gesamten Gebiet des Landes 391 Einrichtungen registriert wurden.cite-ref-chiffre168-169-44-0[44] 2005 existierten nur im von den Regierungstruppen kontrollierten LandessĂŒden 600 KindergĂ€rten mit 2109 Erziehern und 41.445 Kindern.cite-ref-chiffre168-169-44-1[44]

Die Grundschulausbildung dauert sechs Jahre und endet mit dem Certificat d’études primaires, das zum Aufstieg in die weiterfĂŒhrende Schule berechtigt. Im Jahre 2001 existierten nach der Statistik des Bildungsministeriums 8050 öffentliche Grundschulen mit 43.562 LehrkrĂ€ften und 1.872.856 SchĂŒlern. Daneben gab es 925 private Grundschulen mit 78.406 Lehrern und 2.408.980 SchĂŒlern.cite-ref-chiffre168-169-44-2[44]

Der Anteil derjenigen Kinder, die eine Grundschule besuchen, lag 2001/2002 bei 79,5 % (fĂŒr MĂ€dchen nur 67,3 %) und selbst dies erst nach großen Anstrengungen der Regierung in Zusammenarbeit mit der Afrikanischen Entwicklungsbank im Rahmen des Projekts Projet BAD Ă©ducation IV.cite-ref-45[45] Die Schulbesuchsquote fiel wĂ€hrend des BĂŒrgerkriegs auf 54,4 % (fĂŒr MĂ€dchen 49,1 %) im Jahr 2005. Generell hat das Schulwesen im BĂŒrgerkrieg einen hohen Schaden erlitten, viele SchulgebĂ€ude wurden zerstört und Lehrer verließen unsichere Gegenden.cite-ref-aeo2008-46-0[46]

Die weiterfĂŒhrende Bildung dauert sieben Jahre. In der weiterfĂŒhrenden Bildung dominieren die privaten Einrichtungen: 370 der 522 im Jahr 2005 gezĂ€hlten Gymnasien waren privat.cite-ref-chiffre168-169-44-3[44] Nur etwa 20 % der Jugendlichen bekommen eine weiterfĂŒhrende Bildung.cite-ref-unescostat-41-1[41] Nach dem ersten, vier Jahre dauernden Abschnitt der weiterfĂŒhrenden Bildung bekommt man das DiplĂŽme national du brevet und nach drei weiteren Jahren das BaccalaurĂ©at.

Akademische Einrichtungen

Bereits in den 1960er Jahren wurden in der ElfenbeinkĂŒste akademische Bildungseinrichtungen gegrĂŒndet, um eigene Spezialisten ausbilden zu können. Bis 1992 waren alle diese Hochschulen und Institute staatlich, seitdem wurden zahlreiche Privathochschulen gegrĂŒndet.

Im Jahr 2004/05 wurden 149 akademische Bildungseinrichtungen gezĂ€hlt, die von 146.490 Studenten besucht wurden, davon 35 % Frauen. Darunter fielen drei staatliche UniversitĂ€ten, vier staatliche Hochschulen (grandes Ă©coles) und sieben PrivatuniversitĂ€ten.cite-ref-47[47] Zu den bedeutenderen Einrichtungen gehören das Institut national polytechnique HouphouĂ«t-Boigny (INPHB), die École normale supĂ©rieure (ENS) und die Agence nationale de la formation professionnelle. Das Ansehen der ivorischen UniversitĂ€ten ist insbesondere seit dem BĂŒrgerkrieg, als alle UniversitĂ€ten zum Umzug nach Abidjan gezwungen waren und viele Akademiker das Land verließen, gering.cite-ref-aeo2008-46-1[46]

Gesundheit

Das Gesundheitssystem der ElfenbeinkĂŒste hat durch den BĂŒrgerkrieg schwer gelitten. Viele Einrichtungen wurden geplĂŒndert oder zerstört, das Personal musste aus SicherheitsgrĂŒnden in den StĂ€dten konzentriert werden oder hat das Land ganz verlassen. Fehlende finanzielle Mittel, infrastrukturelle Probleme und mangelnde Ausstattung fĂŒhren zu einer unzureichenden Versorgung. Behandlungen mĂŒssen von den Patienten bar bezahlt werden, weshalb Arme bisher kaum Zugang zu medizinischen Leistungen haben. Überlegungen und Initiativen, einige Behandlungen kostenlos anzubieten, scheiterten an den Finanzen des Landes und an der logistischen Problematik.cite-ref-48[48] Die Gesundheitsausgaben des Landes betrugen im Jahr 2021 3,1 % des Bruttoinlandsprodukts.cite-ref-49[49]

Im Jahr 2018 praktizierten in der ElfenbeinkĂŒste 2,2 Ärztinnen und Ärzte je 10.000 Einwohner.cite-ref-50[50] Es gibt im Land Gesundheitszentren auf unterschiedlichen Niveaus. Auf dem Land existieren sogenannte ESPC (Établissements Sanitaires de Premier Contact), in den regionalen Zentren existieren die CHR (Centres Hospitaliers RĂ©gionaux) und schließlich gibt es die CHU (Centres Hospitaliers Universitaires). 2017 wurde die Einrichtung einer allgemeinen Krankenversicherung (couverture mĂ©dicale universelle = CMU) schrittweise eingefĂŒhrt, indem immer mehr Bevölkerungsgruppen aufgenommen wurden. In dieser gibt es zwei Systeme: ein allgemeines Grundsystem (Ă©gime gĂ©nĂ©ral de base = RGB) mit einem Pflicht-Beitragssatz von 1000 Franc-CFA (ca. 1,53 Euro) pro Monat und pro Person sowie ein beitragsfreies medizinisches Hilfsprogramm (rĂ©gime d’assistance mĂ©dicale = RAM) fĂŒr die Armen, die bisher grĂ¶ĂŸtenteils vom Gesundheitssystem ausgeschlossen waren. Seit Anfang 2020 gilt die CMU nun fĂŒr das ganze Land. Jedoch ist mit 1,55 von ca. 24 Mio. Einwohnern erst ein Bruchteil der Bevölkerung registriert. Mobile Teams sollen die Registrierung beschleunigen. Die Versicherten erhalten eine Krankenversicherungskarte. Die Versicherung ĂŒbernimmt 70 % der Kosten, die restlichen 30 % sind Eigenanteil. FĂŒr den Zeitraum 2018–2020 hat der Staat mehr als 833 Milliarden Franc-CFA (ca. 1,26 Mrd. Euro) in den Gesundheitssektor investiert, um die Einrichtung der CMU zu unterstĂŒtzen, um den Bau der Gesundheitsinfrastruktur zu finanzieren und Personal einzustellen. Die Regierung beschloss zudem ein umfassendes Programm mit einem Volumen von 1.650 Milliarden Franc-CFA (ca. 2,5 Mrd. Euro) fĂŒr den Zeitraum 2020–2024 fĂŒr den Bau und die Modernisierung von UniversitĂ€tskliniken (CHU), regionalen und allgemeinen KrankenhĂ€usern sowie Gesundheitszentren.cite-ref-51[51]

HĂ€ufigste Krankheiten sind, bedingt durch das tropische Klima, Malaria, Cholera, Typhus, Tuberkulose, Gelbfieber sowie Hepatitis A und Hepatitis B. Ein Großteil der Erkrankungen kann auf verschmutztes Trinkwasser zurĂŒckgefĂŒhrt werden; insgesamt haben nur rund drei Viertel der Ivorer Zugang zu sauberem Wasser, wobei der Anteil im Jahr 2017 mit 88 % in den stĂ€dtischen Regionen wesentlich höher liegt als in den lĂ€ndlichen Regionen mit 58 %.cite-ref-52[52] Etwa 7 % der Bevölkerung sind mit HIV infiziert (siehe auch: HIV/AIDS in Afrika), auch andere sexuell ĂŒbertragbare Krankheiten breiten sich bedingt durch frĂŒhe sexuelle AktivitĂ€t und mangelnde AufklĂ€rung schnell aus; unfachmĂ€nnische Abtreibungen sind hĂ€ufig.cite-ref-aeo2008-46-2[46] Zudem werden wieder mehr FĂ€lle von Lepra bekannt, die sehr ansteckend ist. Die Sterblichkeit bei unter 5-jĂ€hrigen betrug 2022 69,4 pro 1000 Lebendgeburten.cite-ref-53[53] Die Lebenserwartung der Einwohner der ElfenbeinkĂŒste ab der Geburt lag 2022 bei 58,9 Jahrencite-ref-leberw-54-0[54] (Frauen: 60,3cite-ref-55[55], MĂ€nner: 57,7cite-ref-56[56]).

Landesname

CĂŽte d’Ivoire [] ist französisch und bedeutet „ElfenbeinkĂŒste“. Der Name stammt von der Jagd auf die einheimischen Elefanten wegen des Elfenbeins ihrer StoßzĂ€hne, das lange wichtigstes Exportprodukt des Staates war.

Da die vielen Versionen des Staatsnamens in verschiedenen Sprachen (ElfenbeinkĂŒste, Ivory Coast, Costa de Marfil, Costa d’Avorio usw.) in internationalen Foren hĂ€ufig fĂŒr Verwirrung gesorgt hatten, verfĂŒgte PrĂ€sident HouphouĂ«t-Boigny Ende 1985, dass der Staatsname nur noch mit dem französischen Namen CĂŽte d’Ivoire gefĂŒhrt und nicht in andere Sprachen ĂŒbersetzt werden dĂŒrfe. Im deutschsprachigen Raum ist die altherkömmliche Bezeichnung ElfenbeinkĂŒste (frĂŒher auch: „ZahnkĂŒste“) jedoch weiter stĂ€rker verbreitet als der französische Ausdruck.cite-ref-57[57] Im offiziellen Verkehr, beispielsweise der Bundesregierung oder des Eidgenössischen Departement fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten, wird jedoch der offizielle Name verwendet. Im Staat selbst ist die Benutzung einer anderen als der offiziellen Bezeichnung unter Strafe verboten.

Die Bezeichnung fĂŒr einen Einwohner der ElfenbeinkĂŒste ist – gemĂ€ĂŸ StAGN – Ivorer oder Ivorerin (eingedeutschte Version von franz. Ivoirien und Ivoirienne). Ein zu „ElfenbeinkĂŒste“ korrespondierendes Adjektiv existiert nicht, sodass man auch hier aus dem Französischen das Wort „ivorisch“ ableitet, letzteres ist die offizielle Regelung im EDA.

Geschichte

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Hauptartikel

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Geschichte der ElfenbeinkĂŒste

Vorkoloniale Zeit

Bis zur Kolonialisierung wies der SĂŒdteil der ElfenbeinkĂŒste keine Staatenbildung auf. Der Nordteil hingegen kam ab dem 11. Jahrhundert in den Einfluss der Sahelreiche, etwa des Malireiches ab dem 13. Jahrhundert. Gleichzeitig kam der Islam durch Handel und kriegerische Auseinandersetzungen in diese Region. Im 17. Jahrhundert war der Stadtstaat Kong der mĂ€chtigste Staat der Region und ein Zentrum islamischer Gelehrsamkeit.

Kolonialperiode

Die Portugiesen trieben seit dem 15. Jahrhundert Handel mit den KĂŒstenstĂ€mmen, wurden aber seit dem 17. Jahrhundert von den Franzosen verdrĂ€ngt, die 1843 den MarinestĂŒtzpunkt Grand-Bassam errichteten und das Gebiet 1893 zur französischen Kolonie CĂŽte d’Ivoire erklĂ€rten. Die Niederschlagung von AufstĂ€nden, besonders die des islamischen FĂŒhrers Samory TourĂ©, beschĂ€ftigte die französische Kolonialverwaltung mehrere Jahre. 1895 wurde CĂŽte d’Ivoire ein Teil Französisch-Westafrikas, in dem auch der Code de l’indigĂ©nat galt. 1956 erhielt es innere Selbstverwaltung.

Entsprechend der Loi Lamine GuĂšye von 1946 hatten alle BĂŒrgerinnen und BĂŒrger bei Wahlen zum französischen Parlament und auch bei lokalen Wahlen ein Wahlrecht. Das passive Wahlrecht wurde in dem Gesetz nicht ausdrĂŒcklich erwĂ€hnt, war aber auch nicht ausgeschlossen. Bei den Wahlen zum Pariser Parlament gab es in Französisch-Westafrika, wozu CĂŽte d’Ivoire gehörte, kein Zweiklassenwahlrecht wie in anderen französischen Kolonien, fĂŒr alle örtlichen Wahlen jedoch schon.cite-ref-58[58] 1952 wurde unter französischer Verwaltung erstmals das allgemeine Frauenwahlrecht eingefĂŒhrt.cite-ref-ipu-113372-59-0[59] Am 23. Juni 1956, noch unter französischer Verwaltung, wurde die loi-cadre Defferre eingefĂŒhrt, die das allgemeine Wahlrecht bestĂ€tigte.

Ära HouphouĂ«t-Boigny

Am 7. August 1960 erhielt CĂŽte d’Ivoire die volle UnabhĂ€ngigkeit unter FĂ©lix HouphouĂ«t-Boigny, der bis zu seinem Tode 1993 StaatsprĂ€sident (bis 1990 auch Regierungschef) war. HouphouĂ«t-Boigny, der GrĂŒnder der Einheitspartei „Parti Democratique de CĂŽte d’Ivoire“ (PDCI), verfolgte eine prowestliche Politik. Im Gegensatz zu anderen Staaten, die unter anderem durch NamensĂ€nderung ihr koloniales Erbe in den Hintergrund rĂŒckten und mit Bezeichnungen aus der vorkolonialen Zeit eine unabhĂ€ngige IdentitĂ€t schaffen wollten, hielt die ElfenbeinkĂŒste auch nach der Erlangung der UnabhĂ€ngigkeit im Jahr 1960 an den engen Verbindungen zu Frankreich fest. Das Frauenwahlrecht wurde bei der UnabhĂ€ngigkeit 1960 erneut bestĂ€tigt.cite-ref-ipu-113372-59-1[59]

Unruhen unter der Bevölkerung fĂŒhrten dazu, dass 1990 ein Mehrparteiensystem sowie das Amt des MinisterprĂ€sidenten eingefĂŒhrt wurden. Die prowestliche und marktwirtschaftlich orientierte Politik HouphouĂ«t-Boignys machte aus CĂŽte d’Ivoire einen der reichsten Staaten Westafrikas und fĂŒhrte zu politischer StabilitĂ€t.

Als „Geschenk an den Vatikan“ ließ HouphouĂ«t-Boigny in seinem Geburtsort Yamoussoukro die Basilika Notre Dame de la Paix (Unserer Lieben Frau des Friedens) errichten. Nach drei Jahren Bauzeit setzte er sich damit ein unĂŒbersehbares Denkmal. Im September 1990 weihte Papst Johannes Paul II. den Kirchenbau ein. Voraussetzung fĂŒr die Annahme des Geschenks war HouphouĂ«t-Boignys Zusage, in der NĂ€he der Basilika ein Krankenhaus zu errichten. Dieses Projekt wurde nach 10 Jahren in Angriff genommen und am 14. Januar 2015 beendet.cite-ref-60[60]

Nachfolger HouphouĂ«t-Boignys wurde 1993 Henri Konan BĂ©diĂ© (PDCI). Die von der Opposition boykottierten Wahlen im Oktober 1995 bestĂ€tigten BĂ©diĂ© im PrĂ€sidentenamt. Eine Änderung der prĂ€sidialen Verfassung von 1960 verlĂ€ngerte 1998 die Amtszeit des PrĂ€sidenten von fĂŒnf auf sieben Jahre und stĂ€rkte seine exekutiven Befugnisse.

Siehe auch

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Resolution 150 des UN-Sicherheitsrates

MilitÀrregierung

Der Verfall der Kakaopreise fĂŒhrte 1999 zu wirtschaftlichen Krisenerscheinungen. Im Dezember 1999 wurde BĂ©diĂ©, der oppositionelle Kreise zunehmend unterdrĂŒckt hatte, in einem unblutigen Putsch vom MilitĂ€r unter FĂŒhrung von General Robert Guéï gestĂŒrzt. Das Land fiel damit in eine tiefe Krise. Unter dem Schlagwort IvoiritĂ© kam es zu fremdenfeindlichen Tendenzen und zur Diskriminierung der im Norden des Landes ansĂ€ssigen Ethnien. Im Jahre 2000 gewann Laurent Gbagbo PrĂ€sidentschaftswahlen, von denen der Oppositionskandidat (Alassane Ouattara) ausgeschlossen worden war. Dies wurde damit begrĂŒndet, dass Ouattaras Eltern aus dem Nachbarland Burkina Faso stammen. Der andauernde Streit darum, wer ein wahrer „Ivorer“ sei und wer nicht, fĂŒhrte schließlich 2002 zu einem bewaffneten Aufstand gegen Gbagbo und zu der darauf folgenden Krise.

BĂŒrgerkrieg und Teilung

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Hauptartikel

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BĂŒrgerkrieg in der ElfenbeinkĂŒste

Im September 2002 erhoben sich Teile der Armee (Forces Nouvelles) gegen die Regierung und brachten die nördliche HĂ€lfte des Staates unter ihre Kontrolle. Diese Entwicklung hatte ihren Hintergrund in ethnischen Spannungen; in der ElfenbeinkĂŒste leben viele aus den angrenzenden Staaten eingewanderte Menschen. Es war aber auch ein Konflikt um Land und den Zugang zu Ressourcen.

Im Auftrag der UNO wurden zur Trennung der Rebellen im Norden und dem sĂŒdlichen Landesteil mehr als 6300 Blauhelme im Land stationiert (OpĂ©ration des Nations Unies en CĂŽte d'Ivoire). ZusĂ€tzlich waren etwa 4500 französische Soldaten im Land. Letztere agierten ebenfalls im Auftrag der UNO, waren aber schon vor der Krise in CĂŽte d’Ivoire stationiert. Die frĂŒhere Kolonialmacht Frankreich setzte einen Friedensplan durch, der eine Machtteilung zwischen Gbagbos FPI (Front Populaire Ivoirien) und den Forces Nouvelles der Rebellen vorsah. Der Krieg wurde somit fĂŒr beendet erklĂ€rt.

Anfang November 2004 eskalierte die Situation erneut, als am 4. November Regierungstruppen Ziele im Norden des Landes aus der Luft angriffen. Gleichzeitig wurden in Abidjan BĂŒros von Oppositionsparteien und unabhĂ€ngigen Zeitungen verwĂŒstet. Am dritten Tag der Luftangriffe kamen neun französische Soldaten ums Leben. Als Reaktion darauf wurde von den französischen StreitkrĂ€ften die gesamte Luftwaffe (zwei Kampfflugzeuge, fĂŒnf Kampfhubschrauber) CĂŽte d’Ivoires binnen eines Tages vernichtet. Letzteres wurde von der UNO nachtrĂ€glich fĂŒr gerechtfertigt erklĂ€rt.

Dem sĂŒdlichen Landesteil unter Gbagbo wurde vorgeworfen, die Teilung der Macht eigentlich nicht gewollt zu haben. Gbagbo habe die Lage seit lĂ€ngerem unter anderem mit Aufrufen zu Hass und Gewalt ĂŒber TV und Radio destabilisiert. Bis zum 15. November 2004 wurden rund 6000 AuslĂ€nder via LuftbrĂŒcke evakuiert.

Unter sĂŒdafrikanischer Vermittlung einigten sich Armee und Rebellen am 9. Juli 2005 neuerlich auf ein Entwaffnungs- und Machtteilungsabkommen. Dieses sollte den Weg freimachen zu PrĂ€sidentschaftswahlen am 30. Oktober 2005. Der BĂŒrgerkrieg wurde zum zweiten Mal fĂŒr beendet erklĂ€rt.

Weder die Entwaffnung noch Wahlen wurden jedoch umgesetzt. GrĂŒnde dafĂŒr waren Unstimmigkeiten bei der Vorgehensweise zur Erfassung der WĂ€hler und ĂŒber das Ausstellen von IdentitĂ€tspapieren. Die UNO beschloss eine VerlĂ€ngerung der Amtszeit von PrĂ€sident Gbagbo um ein Jahr und stellte ihm den parteilosen Charles Konan Banny als Premierminister an die Seite.

Mitte Januar 2006 eskalierte die Situation erneut: Es kam in mehreren Orten zu gewalttĂ€tigen Demonstrationen mit Toten und Verletzten. Nach einem einschlĂ€gigen UN-Beschluss Anfang Februar 2006 wurden Konten von drei Gegnern des Friedensprozesses eingefroren. Die Sanktionen richteten sich gegen Ble Goude und Eugene Djue, die als AnfĂŒhrer militanter Jugendgruppen und AnhĂ€nger von StaatsprĂ€sident Laurent Gbagbo galten, sowie gegen RebellenfĂŒhrer Fofie Kouakou. Die Audiences foraines genannte Registrierung von bisher papierlosen BĂŒrgern im Hinblick auf die vereinbarten Wahlen kam nur schleppend vorwĂ€rts. Die Opposition behauptete, sie werde von Mitgliedern der Regierungspartei hintertrieben und teilweise verhindert.

Vertrag von Ouagadougou und Machtteilung

Am 4. MĂ€rz 2007 wurde, nach langwierigen Verhandlungen zwischen PrĂ€sident Gbagbo, RebellenfĂŒhrer Guillaume Soro und dem burkinischen PrĂ€sidenten Blaise CompaorĂ©, ein neuer Friedensvertrag unterzeichnet. Dieser Vertrag sah, im Unterschied zu den vorigen Abkommen, neben Machtteilung auch einen stĂ€ndigen Konzertationsrahmen vor, in dem neben Gbagbo, Soro und CompaorĂ© auch BĂ©diĂ© und Ouattara vertreten waren. Soro wurde zum Premierminister der neu zu bildenden Regierung ernannt. Dieser Vertrag von Ouagadougou enthielt detaillierte Vereinbarungen zur Ausgabe von IdentitĂ€tspapieren, Aufstellen des WĂ€hlerverzeichnisses sowie der Schaffung einer nationalen Armee.

Wenige Wochen spĂ€ter wurde mit dem Abbau der Pufferzone begonnen und es gab erste gemeinsame Patrouillen aus Regierungssoldaten und Rebellen der Forces Nouvelles (FN).cite-ref-61[61] Im Juli 2007 besuchte PrĂ€sident Gbagbo zum ersten Mal seit fĂŒnf Jahren den von den Rebellen gehaltenen Norden. Er nahm dort an einer offiziellen Friedenszeremonie teil, bei der in Anwesenheit zahlreicher afrikanischer Staatschefs Waffen verbrannt wurden.cite-ref-62[62]cite-ref-63[63]

PrÀsidentschaftswahlen 2010

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Hauptartikel

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PrĂ€sidentschaftswahlen in der ElfenbeinkĂŒste 2010

Schließlich wurden die PrĂ€sidentschaftswahlen mit einem ersten Wahlgang am 31. Oktober 2010 durchgefĂŒhrt. Bei einer Wahlbeteiligung von etwa 80 Prozent gewannen unter 14 Kandidaten der damals amtierende PrĂ€sident Gbagbo mit 38 Prozent sowie als Kandidaten der Opposition Alassane Ouattara (RDR) mit 32 Prozent und Henri Konan BĂ©diĂ© (PDCI) mit 25 Prozent die meisten Stimmen. Eine Stichwahl zwischen Gbagbo und Ouattara fand am 28. November 2010 statt. Davor kĂŒndigten beide an, das AuszĂ€hlungsergebnis ĂŒberprĂŒfen zu lassen.cite-ref-64[64] Aus der Stichwahl ging laut dem Ergebnis der Wahlkommission CEI (Commission Ă©lectorale indĂ©pendante) Alassane Ouattara mit 54 % der Stimmen als Sieger hervor.cite-ref-machtkampf-65-0[65] Der Verfassungsrat erklĂ€rte jedoch die Ergebnisse in vier Regionen fĂŒr nichtig. Dadurch habe nun Gbagbo die Stichwahl gewonnen.cite-ref-machtkampf-65-1[65] Daraufhin legten sowohl der bisherige Amtsinhaber Laurent Gbagbo als auch Alassane Ouattara den Amtseid ab.cite-ref-machtkampf-65-2[65] GemĂ€ĂŸ dem Mandat der UN-Mission UNOCI musste der Sondergesandte Choi Young-jin das Wahlergebnis zertifizieren. Nach seiner PrĂŒfung erklĂ€rte er das Ergebnis der Wahlkommission fĂŒr gĂŒltig.cite-ref-66[66] Gbagbo wurde von den Vereinten Nationen, den USA und der EuropĂ€ischen Union nicht mehr als rechtmĂ€ĂŸig gewĂ€hlter PrĂ€sident anerkannt. Der Internationale WĂ€hrungsfonds drohte mit einem Boykott des Landes.cite-ref-67[67]cite-ref-68[68]cite-ref-69[69] Nach der Festnahme Gbagbos am 11. April 2011 war der Machtkampf zugunsten Ouattaras entschieden.

Erneute Krise 2010/2011

Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2011

Ab den PrĂ€sidentschaftswahlen 2010 kam es zwischen AnhĂ€ngern beider Lager zu einer Regierungskrise mit gewaltsamen Auseinandersetzungen und Todesopfern. Auch ein Blauhelm-Konvoi wurde angegriffen.cite-ref-70[70] Dabei wurden auch schwere Waffen gegen Zivilisten eingesetzt. Bis Ende MĂ€rz 2011 waren eine Million Menschen auf der Flucht vor dem BĂŒrgerkrieg.cite-ref-71[71] Am 11. April 2011 wurde der abgewĂ€hlte PrĂ€sident Laurent Gbagbo von den Truppen des international anerkannten Wahlsiegers Ouattara nach langwierigen KĂ€mpfen mit UnterstĂŒtzung von militĂ€rischen KrĂ€ften der UNO und Frankreichs festgenommen. Damit hatten sich Ouattara als rechtmĂ€ĂŸiger PrĂ€sident und sein Premierminister Guillaume Soro weitgehend durchgesetzt.cite-ref-72[72]

Gbagbo wurde im November 2011 dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag ĂŒberstellt.cite-ref-73[73] Ouattara musste sich den Vorwurf der „Siegerjustiz“ gefallen lassen. Bis 2012 wurde kein einziges der zahlreichen Menschenrechts- und Kriegsverbrechen seiner MilitĂ€rs verfolgt, Verantwortliche benannt oder gar angeklagt, insbesondere nicht fĂŒr das Massaker von DuĂ©kouĂ©, bei dem laut dem Internationalen Roten Kreuz 800 Menschen von Ouattara-MilitĂ€rs brutal ermordet wurden.cite-ref-74[74]

Politik

Verfassung

Nach seiner UnabhĂ€ngigkeit hat die ElfenbeinkĂŒste ein prĂ€sidentielles Regierungssystem eingefĂŒhrt.cite-ref-cst60-75-0[75] Es existiert formelle Gewaltentrennung in die Exekutive, die Legislative und die Judikative. Dazu kommen Institutionen wie der Conseil Ă©conomique et social und der MĂ©diateur de la RĂ©publique.cite-ref-cst2000-76-0[76]

Die im Jahre 2000 verabschiedete Verfassung garantiert Grundrechte und Grundfreiheiten, wie es internationale Abkommen und VertrÀge verlangen. Ebenfalls ist seit 2000 die Todesstrafe abgeschafft.

Die RealitĂ€t sieht jedoch anders aus. Im BĂŒrgerkrieg kam und kommt es sowohl durch die Rebellen- als auch durch die Regierungstruppen zu massiven Übergriffen wie Mord, Folter, Verschwindenlassen unliebsamer Personen und sexueller Gewalt. Die Beschneidung weiblicher Genitalien ist offiziell verboten, dennoch wird sie hĂ€ufig praktiziert; das Gleiche gilt fĂŒr Kinderarbeit.cite-ref-77[77]cite-ref-78[78]

Exekutive

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Hauptartikel

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Regierung der ElfenbeinkĂŒste

Die Exekutive fiel bis 1990 allein dem StaatsprÀsidenten zu. Seitdem sind die Kompetenzen auf den PrÀsidenten als Staatsoberhaupt und auf den Premierminister als Regierungschef verteilt.cite-ref-79[79]

Der StaatsprĂ€sident wird in direkter, allgemeiner Wahl gewĂ€hlt. Es werden zwei DurchgĂ€nge abgehalten, wobei ein Kandidat die einfache Mehrheit erreichen muss. Das Mandat dauert fĂŒnf Jahre und der PrĂ€sident kann einmal wiedergewĂ€hlt werden.cite-ref-cst2000-76-1[76] Er ist der alleinige Chef der Exekutive; zu seinen Aufgaben gehört es, die nationale UnabhĂ€ngigkeit zu bewahren, die IntegritĂ€t des Territoriums aufrechtzuerhalten und internationale Abkommen und VertrĂ€ge einzuhalten. Er ist Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte, wacht ĂŒber die Einhaltung der Verfassung und ĂŒber die KontinuitĂ€t des Staates. Er ist Chef der Verwaltung und ernennt zivile wie militĂ€rische Beamte. In Krisenzeiten erhĂ€lt der PrĂ€sident Sondervollmachten. Im Fall des Todes, des ZurĂŒcktretens oder der Absetzung des PrĂ€sidenten ĂŒbernimmt der PrĂ€sident der Nationalversammlung dieses Amt fĂŒr eine Dauer von bis zu 90 Tagen.cite-ref-cst2000-76-2[76]

Der Premierminister wird vom StaatsprĂ€sidenten ernannt und kann von ihm wieder entlassen werden.cite-ref-cst2000-76-3[76] VerfassungsgemĂ€ĂŸ hat der Premierminister keine eindeutig exekutive Funktion. Er vertritt jedoch den StaatsprĂ€sidenten, wenn er außerhalb des Landes ist. Der Premierminister muss nicht aus der parlamentarischen Mehrheit hervorgehen. Die Regierung, die dem Premierminister untersteht, wird vom StaatsprĂ€sidenten auf Vorschlag des Premierministers ernannt. Er leitet die Regierung und kann gewisse AutoritĂ€ten an die Minister delegieren.cite-ref-cst2000-76-4[76]

Siehe auch

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Liste der StaatsoberhĂ€upter der ElfenbeinkĂŒste

Legislative

Die ElfenbeinkĂŒste verfĂŒgte bis 2016 ĂŒber ein Einkammerparlament, die Nationalversammlung (AssemblĂ©e nationale). Die Anzahl der Parlamentssitze wurde bei der Parlamentswahl 2011 von 225 auf 255 erhöht. Das Parlament hat ferner ein BĂŒro, mehrere technische Kommissionen und parlamentarische Gruppen. Die Abgeordneten werden in allgemeinen Wahlen direkt fĂŒr eine Amtszeit von 5 Jahren gewĂ€hlt.cite-ref-cst2000-76-5[76] Abweichend von dieser rechtlichen Regelung wurde unter PrĂ€sident Gbagbo nach dem Ausbruch des BĂŒrgerkriegs (2002) und der sich anschließenden faktischen Zweiteilung des Landes die eigentlich 2005 fĂ€llige Neuwahl des Parlaments nicht durchgefĂŒhrt. Die letzte Wahl der Nationalversammlung fand am 6. MĂ€rz 2021 statt.

In der Nationalversammlung wird ĂŒber Gesetze und Steuern abgestimmt, des Weiteren hat sie verfassungsgemĂ€ĂŸ die Kontrolle ĂŒber die TĂ€tigkeiten der Exekutive.cite-ref-cst2000-76-6[76] Um die UnabhĂ€ngigkeit der Nationalversammlung zu sichern, sind die Abgeordneten immun vor Strafverfolgung aufgrund der AusĂŒbung ihrer AbgeordnetentĂ€tigkeit und auch fĂŒr Strafverfolgung wegen Vergehen außerhalb ihrer Abgeordnetenfunktion muss es die Zustimmung des Parlaments geben.cite-ref-cst2000-76-7[76]

Im Zuge einer neuen Verfassung, die am 8. November 2016 in Kraft trat, wurde ein Zweikammerparlament in der ElfenbeinkĂŒste eingefĂŒhrt. Darin stellt die Nationalversammlung das Unterhaus dar und ein neu geschaffener Senat das Oberhaus. Der Senat besteht aus 99 Senatoren mit einer Amtszeit von fĂŒnf Jahren. Davon werden 66 in indirekter Wahl gewĂ€hlt (erstmals am 25. MĂ€rz 2018) und 33 werden vom PrĂ€sidenten der Republik ernannt (erstmals am 3. April 2019 durch Alassane Ouattara). Am 11. April 2019 trat der Senat zum ersten Mal zusammen und erhielt seine parlamentarischen Befugnisse, die zuvor bei der Nationalversammlung lagen.cite-ref-80[80]

Parteienlandschaft

Kurz vor der UnabhĂ€ngigkeit der ElfenbeinkĂŒste wurden im Jahr 1956/57 erste pluralistische Wahlen organisiert, um die Territorialversammlung und GemeinderĂ€te zu wĂ€hlen. Alle Sitze wurden von der Parti DĂ©mocratique de CĂŽte d’Ivoire, einer Teilbewegung des Rassemblement DĂ©mocratique Africain gewonnen. Kurz nach dieser Wahl entschieden sich alle politischen Mitbewerber, sich der PDCI-RDA im Rahmen eines nationalen Konsenses unterzuordnen. Die PDCI-RDA wurde somit zur einzigen Partei des Landes. Dieses Einparteiensystem blieb praktisch bis 1990 bestehen, auch wenn zeitweise vorsichtige Schritte zur Bildung einer Opposition unternommen wurden oder einzelne Krisen das Land erschĂŒtterten (etwa die Sanwi-Affaire 1959–1966, das angebliche Komplott gegen den PrĂ€sidenten 1963/64, GuĂ©biĂ©-Affaire 1970 oder der gescheiterte Putsch 1973).

Dieses System endete mit den Massendemonstrationen im Jahr 1990 und der RĂŒckkehr zum Mehrparteiensystem, wie es eigentlich seit 1960 in der Verfassung der Republik verankert war. Im gleichen Jahr wurden zahlreiche neue Parteien gegrĂŒndet.cite-ref-81[81]cite-ref-82[82] Die Parteien, die momentan politischen Einfluss haben, sind der sozialistische Front Populaire Ivoirien (FPI) unter Pascal Affi N’Guessan, die rechtsliberale Parti DĂ©mocratique de CĂŽte d’Ivoire – Rassemblement dĂ©mocratique africain (PDCI-RDA) unter Henri Konan BĂ©diĂ© und der liberale Rassemblement des RĂ©publicains (RDR) unter Alassane Ouattara. Nennenswert, jedoch mit weniger politischem Gewicht ausgestattet, sind die Union pour la dĂ©mocratie et la paix en CĂŽte d'Ivoire (UDPCI) von Albert Mabri Toikeusse und die sozialistische Parti Ivoirien des Travailleurs (PIT) unter Francis WodiĂ©.cite-ref-83[83]

Judikative

Die ElfenbeinkĂŒste hat aus der Kolonialzeit ein Justizsystem geerbt, das zwei parallele Rechtsprechungen aufwies – einerseits das französische Recht, andererseits das lokale Gewohnheitsrecht. Dies resultierte aus zwei verschiedenen Gesetzgebungen, die wiederum zwischen den verschiedenen Bevölkerungsschichten und deren Status unterschieden. Frankreich behielt damals fĂŒr normale Ivorer einen anderen rechtlichen Status bei als fĂŒr Franzosen und Gleichgestellte.cite-ref-rougerie426-433-84-0[84]

Nach der UnabhĂ€ngigkeit ging man daran, einen Justizapparat aufzubauen, der sowohl modern als auch an die Notwendigkeiten des Landes angepasst war. Es wurden neue Strukturen aufgebaut und das entsprechende Personal ausgebildet. Obwohl seit 1960 viele VerĂ€nderungen geschehen sind, bleiben die französischen EinflĂŒsse im ivorischen Justizsystem stark.cite-ref-rougerie426-433-84-1[84]cite-ref-85[85]

Die Justizgewalt wird in zwei Instanzen unter der Kontrolle des obersten Gerichts (Cour suprĂȘme) ausgeĂŒbt. Der Verfassungsrat sowie der Hohe Gerichtshof (Haute cour de justice), sind Sondergerichtsbarkeiten.cite-ref-cst2000-76-8[76]

Konsultativ- und Vermittlungsorgane

Der Conseil Ă©conomique et social (Wirtschafts- und Gesellschaftsrat) ist ein Konsultativorgan, das in der Verfassung der ElfenbeinkĂŒste vorgesehen ist.cite-ref-cst2000-76-9[76] Er ist dafĂŒr eingerichtet, die wichtigsten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen TĂ€tigkeiten zu reprĂ€sentieren, die Zusammenarbeit verschiedener Wirtschaftszweige und die Wirtschafts- und Sozialpolitik der Regierung zu verbessern. Gesetzesprojekte aus Wirtschafts- und Sozialpolitik werden ihm zur Kommentierung vorgelegt.cite-ref-siteces-86-0[86] Der StaatsprĂ€sident kann diese Einrichtung zu allen wirtschaftlichen und Sozialfragen konsultieren.cite-ref-cst2000-76-10[76]

Die Mitglieder dieser Institution werden fĂŒr fĂŒnf Jahre ernannt. Das Auswahlkriterium ist, wie sehr die jeweiligen Personen zur Entwicklung des Landes beigetragen haben. Momentan hat der Conseil Ă©conomique et social 125 Mitglieder.cite-ref-siteces-86-1[86] Sein Vorsitzender ist seit dem 19. Mai 2011 Marcel Zady Kessy.

Der MĂ©diateur de la RĂ©publique (Vermittler der Republik) ist ebenfalls ein verfassungsmĂ€ĂŸig vorgesehenes Organ.cite-ref-cst2000-76-11[76] Er ist eine unabhĂ€ngige Verwaltungseinheit, der etwa die Funktion eines Ombudsmanns einnimmt.cite-ref-87[87] Der Vorsitzende dieser Organisation wird vom StaatsprĂ€sidenten nach Vorschlag des PrĂ€sidenten der Nationalversammlung ernannt, seine Amtszeit dauert sechs Jahre und ist nicht verlĂ€ngerbar. Er kann auch nicht vor Ende seiner Amtszeit abgesetzt werden; er kann nur durch den Verfassungsrat (Conseil constitutionnel) seines Amtes enthoben werden. Er ist in der AusĂŒbung seines Amtes immun. Er kann nicht gleichzeitig zu dieser Funktion ein anderes politisches Amt oder eine öffentliche Funktion bekleiden, ebenso darf er keine andere berufliche Funktion ausĂŒben. Die Funktion des MĂ©diateur de la RĂ©publique wird gegenwĂ€rtig von N’Golo Coulibaly bekleidet.cite-ref-88[88]

Politische Indizes

| Name des Index | Indexwert | Weltweiter Rang | Interpretationshilfe | Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Fragile States Index | 85,3 von 120 | 39 von 179 | StabilitĂ€t des Landes: große Warnung 0 = sehr nachhaltig / 120 = sehr alarmierend Rang: 1 = fragilstes Land / 179 = stabilstes Land | 2024 [ 89 ] |
| Demokratieindex | 4,22 von 10 | 105 von 167 | Hybridregime 0 = autoritÀres Regime / 10 = vollstÀndige Demokratie | 2024 [ 90 ] |
| Freedom in the World Index | 49 von 100 | — | Freiheitsstatus: teilweise frei 0 = unfrei / 100 = frei | 2024 [ 91 ] |
| Rangliste der Pressefreiheit | 63,7 von 100 | 64 von 180 | Erkennbare Probleme fĂŒr die Pressefreiheit 100 = gute Lage / 0 = sehr ernste Lage | 2025 [ 92 ] |
| Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) | 45 von 100 | 69 von 181 | 0 = sehr korrupt / 100 = sehr sauber | 2024 [ 93 ] |

MilitÀr

→

Hauptartikel

:

Forces armĂ©es de CĂŽte d’Ivoire

Der ivorische Staat hat seit seiner Existenz nie konsequent am Aufbau eigener StreitkrĂ€fte gearbeitet. Er verließ sich anstelle dessen auf die abschreckende Wirkung der französischen MilitĂ€rprĂ€senz in der Region. Mit Frankreich existieren Verteidigungs- und MilitĂ€rhilfeabkommen inklusive Geheimklauseln.cite-ref-mehler2004-94-0[94]

Im August 2002 erklĂ€rte der damalige PrĂ€sident Gbagbo grundsĂ€tzlich, dass Westafrika eine militĂ€rische Kooperationslogik statt gegenseitige Abschreckung benötige.cite-ref-mehler2004-94-1[94] Aufgrund des BĂŒrgerkriegs blieb es in der Folge aber bei dieser ErklĂ€rung.

Beim MilitĂ€r ist momentan fĂŒr die Regierung die wichtigste Aufgabe, die Milizen abzurĂŒsten und deren Söldner wieder in die Gesellschaft einzubinden, um in der Folge eine regulĂ€re nationale Armee aufzubauen. Die eigens fĂŒr die Entwaffnung von Zivilisten eingerichtete Nationale Kommission fĂŒr den Kampf gegen die Verbreitung von Leicht- und Kleinwaffen schĂ€tzt die Zahl der im Land im Umlauf befindlichen Waffen auf drei Millionen.cite-ref-95[95]

Das Land gab 2017 knapp 1,3 Prozent seiner Wirtschaftsleistung oder 496 Millionen US-Dollar fĂŒr seine StreitkrĂ€fte aus.cite-ref-96[96]cite-ref-97[97]

Kinderarbeit und Sklaverei

Laut einer Ende 2020 veröffentlichten Studie der UniversitĂ€t Chicago gehen in der ElfenbeinkĂŒste und Ghana – allein in der Kakaoproduktion – mehr als 1,5 Millionen MinderjĂ€hrige Kinderarbeit nach.cite-ref-98[98]

Stand 2010 wurden laut Menschenrechtsorganisationen etwa 12.000 Kinder als Sklaven auf Kakaoplantagen eingesetzt.cite-ref-99[99]

Verwaltungsgliederung

Seit dem 28. September 2011 unterteilt sich die ElfenbeinkĂŒste in 12 Distrikte sowie die zwei autonomen Stadtdistrikte Abidjan und Yamoussoukro. Bis dahin hatten 19 Regionen die oberste Verwaltungsebene gebildet. Die Distrikte unterteilen sich in 31 Regionen, die Regionen in 107 Departements und diese wiederum in 197 Gemeinden.

Siehe auch

:

Distrikte der ElfenbeinkĂŒste

,

Regionen der ElfenbeinkĂŒste

und

DĂ©partements der ElfenbeinkĂŒste

Wirtschaft

Die ElfenbeinkĂŒste verfĂŒgt ĂŒber die stĂ€rkste Wirtschaft der westafrikanischen Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion, zu deren gesamtem BIP sie 40 % beitrĂ€gt.cite-ref-bfai-39-1[39] Das Pro-Kopf-BIP liegt ebenfalls ĂŒber dem westafrikanischen Durchschnitt, jedoch unter dem gesamtafrikanischen.cite-ref-aeo2008-46-3[46] Die Wirtschaft hat sich mithin von den Wirren des BĂŒrgerkrieges, der 1,7 Millionen Menschen in die Flucht trieb, die offizielle Verwaltung zusammenbrechen ließ, die Produktion behinderte und die Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellen ließ, erholt. Das zeigen nicht zuletzt die Investitionen, die sich 2007 gegenĂŒber 2006 vervierfachten und etwa 520 Millionen Euro betrugen.cite-ref-bfai-39-2[39] Im Jahre 2015 wuchs die Wirtschaft des Landes mit 9,2 % und gehörte damit zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften weltweit.

Die ElfenbeinkĂŒste ist auch ein von Armut gekennzeichnetes Land. Als arm gilt in der ElfenbeinkĂŒste jemand, der weniger als 162 800 XOF (250 Euro) pro Jahr zum Leben hat. Landesweit fallen 43,2 % der Menschen unter diese Armutsgrenze, in einigen lĂ€ndlichen Savannengebieten gelten weit mehr als die HĂ€lfte der Menschen als arm.

Im Global Competitiveness Index, der die WettbewerbsfĂ€higkeit eines Landes misst, belegte die ElfenbeinkĂŒste Platz 99 von 138 LĂ€ndern (Stand 2016–17).cite-ref-101[101] Der Index fĂŒr wirtschaftliche Freiheit 2024 des Landes war der 91 höchste von 176 LĂ€ndern.cite-ref-102[102]

| Jahr | 2010 | 2015 | 2016 | 2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| BIP in Mrd. USD (KaufkraftparitÀt) | 71,5 | 106,0 | 114,7 | 125,4 | 135,8 | 155,5 | 160,3 | 179,2 | 204,2 | 225,4 | 244,9 |
| BIP pro Kopf in USD (KaufkraftparitÀt) | 3.319 | 4.271 | 4.493 | 4.776 | 5.030 | 5.599 | 5.610 | 6.097 | 6.755 | 7.250 | 7.656 |
| BIP-Wachstum (real) | 2,0 % | 8,8 % | 7,2 % | 7,4 % | 4,8 % | 6,7 % | 0,7 % | 7,1 % | 6,4 % | 6,5 % | 6,0 % |
| Inflation (in Prozent) | 1,8 % | 1,1 % | 0,8 % | 0,7 % | 0,6 % | 0,8 % | 2,3 % | 4,2 % | 5,2 % | 4,4 % | 3,4 % |
| Staatsverschuldung (in Prozent des BIP) | 46 % | 29 % | 31 % | 33 % | 35 % | 37 % | 46 % | 50 % | 56 % | 58 % | 59 % |

Land- und Forstwirtschaft

Die Landwirtschaft ist nach wie vor der dominierende Wirtschaftszweig der ElfenbeinkĂŒste. Sie beschĂ€ftigt zwei Drittel der ivorischen ArbeitskrĂ€fte und bestreitet die Exporterlöse zu 70 %,cite-ref-aeo2008-46-4[46] auch wenn sie nur 23 % zum BIP beitrĂ€gt.cite-ref-bfai-39-3[39]

Das Land ist weltgrĂ¶ĂŸter Kakaoproduzent und -exporteur, mit einer Ernte von 1,335 Millionen Tonnen 2003/2004. Damit hat es einen Anteil von 40 % an der weltweiten Gesamtproduktion.cite-ref-103[103] Den Kakao ernten zum Teil Kindersklaven.cite-ref-104[104] War der Kakao einst das wichtigste Exportprodukt, so hat es diesen Status mittlerweile an die Erdölprodukte verloren. Zudem ist die Kakaoernte in den vergangenen Jahren stark gesunken. Dies lag einerseits am niedrigen Erzeugerpreis fĂŒr Kakaobohnen, was viele Pflanzer auf andere Erzeugnisse umsteigen ließ und Reinvestitionen der Gewinne in die Plantagen unattraktiv machte. Daneben erheben der Staat und lokale Rebellen hohe Abgaben auf Agrarerzeugnisse, was den Schmuggel in die NachbarlĂ€nder fördert. Die schlechte Sicherheitslage vertrieb die Wanderarbeiter und ließ LagerkapazitĂ€ten verfallen.cite-ref-bfai-39-4[39]

2003 trat in der Provinz Marahoue im Zentrum des Landes erstmals der Cacao-swollen-shoot-Virus aus und vernichtete den Kakaoanbau auf 8000 Hektar FlĂ€che. Dieser Virus befĂ€llt nur den Kakaobaum und wird durch LĂ€use ĂŒbertragen. Bei der betroffenen Pflanze schwellen der Stamm und junge Triebe an; die Pflanze stirbt schließlich ab. Mit Stand Juni 2018 gibt es kein Mittel dagegen, auch das Nachbarland Ghana, zweitgrĂ¶ĂŸter Kakaobohnenproduzent, ist betroffen. Die ElfenbeinkĂŒste produziert jĂ€hrlich rund 2 Mio. Tonnen Kakaobohnen, die Branche ist der grĂ¶ĂŸte Arbeitgeber des Landes (Stand Juni 2018). Seit Juli 2016 ist die Produktion um rund 40 % zurĂŒckgegangen. Im Juni 2018 erklĂ€rte Gneneyeri Silue, zustĂ€ndig fĂŒr Pflanzenschutz im ivorischen Landwirtschaftsministerium, dass auf den betroffenen Plantagen mit 100.000 ha FlĂ€che, 3 Jahre lang alle Pflanzen ausgerissen werden mĂŒssen und dann noch 2 Jahre QuarantĂ€ne eingehalten werden mĂŒssen. Demnach sind im SĂŒdwesten und Westen des Landes große Teile der Produktion bedroht.cite-ref-105[105]

Ein weiteres wichtiges Exportprodukt ist der Kaffee. Angebaut wird vor allem die Art Robusta. Insgesamt leben vom Kaffee- und Kakaoanbau direkt oder indirekt sechs Millionen Menschen.cite-ref-bfai-39-5[39] Mit 130.500 Tonnen an produziertem Rohkaffee, was einen weltweiten Anteil von 1,2 % ausmacht, stand die ElfenbeinkĂŒste im Jahr 2014 auf Platz 12 der AnbaulĂ€nder von Kaffee.cite-ref-106[106]

Weitere wichtige Produkte sind Palmöl, KokosnĂŒsse, Baumwolle (Export von Rohbaumwolle: 105.423 Tonnen im Jahr 2004,cite-ref-107[107] vor allem in die Volksrepublik China, nach Indonesien, Thailand und Taiwan), Kautschuk, KolanĂŒsse (weltgrĂ¶ĂŸter Produzent mit 65.216 Tonnen)cite-ref-chiffre74-81-108-0[108] und Zuckerrohr. Tropische FrĂŒchte wie Ananas, Bananen, Mangos, Papaya, Avocado und ZitrusfrĂŒchte werden nach Europa exportiert. KaschubĂ€ume, die ursprĂŒnglich nur im Landesnorden wuchsen, werden jetzt auch sĂŒdlich davon angebaut; die Ernte an CashewnĂŒssen betrug 2006 235.000 Tonnen, davon gingen 210 in den Export.cite-ref-chiffre74-81-108-1[108] Weiterhin nennenswert sind die Produktion von Zitronen, Bergamotten und von Bitterorangen.cite-ref-109[109]

An AckerfrĂŒchten werden vor allem Mais (608.032 Tonnen auf 278.679 Hektar), Reis (673.006 Tonnen auf 340.856 Hektar), Yams (4.970.949 Tonnen auf 563.432 Hektar), Maniok (2.047.064 Tonnen auf 269.429 Hektar) und Kochbananen (1.519.716 Tonnen auf 433.513 Hektar) angebaut.cite-ref-110[110] Nur etwa 10.000 Hektar landwirtschaftliche NutzflĂ€che der ElfenbeinkĂŒste werden kĂŒnstlich bewĂ€ssert. Es wird jedoch geschĂ€tzt, dass die BewĂ€sserung von 600.000 Hektar Land ökonomisch sinnvoll wĂ€re.cite-ref-111[111]

Der Ausbau der Viehzucht ist ein Entwicklungsziel der Regierung,cite-ref-112[112] weil der Bedarf der Bevölkerung an tierischen Produkten teils noch durch Importe gedeckt werden muss.cite-ref-113[113] Obwohl die Jagd aus NaturschutzgrĂŒnden bereits im Jahr 1974 offiziell verboten wurde, ist Wild noch ein bedeutender Fleischlieferant.cite-ref-114[114] Auch bei Fischprodukten ist die ElfenbeinkĂŒste auf Importe angewiesen (204.757 Tonnen im Jahr 2000), trotz ihrer 500 km langen KĂŒste. Aus diesem Grund fördert die Regierung das Anlegen von Fischteichen.cite-ref-115[115]

Die wichtigste natĂŒrliche Ressource der ElfenbeinkĂŒste ist Holz, wovon das Land mehr exportiert als das viel grĂ¶ĂŸere Brasilien. Die schnell fortschreitende Abholzung wird kurzfristig jedoch, von dem ökologischen Problem abgesehen, zum Versiegen dieser Einnahmequelle und Ressource fĂŒhren. Im Jahr 2008 waren nur etwa 10 % landwirtschaftlich nutzbar, wobei dieser Wert seit der UnabhĂ€ngigkeit des Landes konstant leicht gestiegen ist und seit 2000 etwa gleich geblieben ist. 1970 lag dieser Wert bei etwa 5 %.cite-ref-116[116]

Die AbhĂ€ngigkeit des Landes von Agrarimporten steht, auch seitens einheimischer Politiker, zunehmend in der Kritik und soll kĂŒnftig reduziert werden.cite-ref-117[117]

Bergbau und Rohstoffe

Erdöl, das vor der KĂŒste vorkommt, ist seit 2005 das wichtigste Exportprodukt der ElfenbeinkĂŒste. Die Erdölreserven werden auf etwa 600 Millionen Barrel geschĂ€tzt, 2007 wurden jedoch nur 17,4 Millionen Barrel gefördert. Damit gehört die ElfenbeinkĂŒste nicht zu den großen afrikanischen Erdölproduzenten. Ob die relativ niedrige Fördermenge an technischen Problemen liegt oder ob die Regierung die Fördermengen fĂ€lscht, um die Einnahmen aus dem Erdölexport am Staatshaushalt vorbeischleusen zu können, ist nicht geklĂ€rt.cite-ref-bfai-39-6[39]

Neben Erdöl wird auch Gas produziert, wobei sich hier die Reserven auf 23.690 Milliarden Kubikmeter belaufen dĂŒrften. 2006 wurden 53,8 Millionen MMBtu gefördert.cite-ref-bfai-39-7[39]

Industrie

Die Industrie trug 2005 nur etwa 23,1 % zum Bruttoinlandsprodukt bei, 2000 waren es noch 24,5 %.cite-ref-118[118] Sie wird von kleinen und mittleren Betrieben dominiert; trotz aller Probleme, deren sie sich gegenĂŒbersieht, ist sie die am meisten diversifizierte in Westafrika. Sie stellt 40 % des Potentials der WAEMU-LĂ€nder.cite-ref-119[119] Die kleinen und mittleren Unternehmen waren auch von den Krisenjahren am schwersten betroffen, wĂ€hrend die großen internationalen Firmen den BĂŒrgerkrieg in der Regel gut ĂŒberstanden haben.

Ein wichtiger Zweig ist die Raffinierung des Rohöls. Die ElfenbeinkĂŒste kann momentan 70.000 Barrel Rohöl pro Tag verarbeiten, wobei neben eigenem Öl auch Öl der NachbarlĂ€nder raffiniert wird. KapazitĂ€ten fĂŒr die Verarbeitung von weiteren 60.000 Barrel sind im Bau.cite-ref-120[120]

2007 wurden 1059 kg Gold produziert.cite-ref-aeo2008-46-5[46]

Aufgrund des Wiederaufbaubedarfes, aber auch wegen des Baubeginns an einigen Infrastrukturprojekten, kann die Bauindustrie der ElfenbeinkĂŒste starke ZuwĂ€chse verzeichnen. Ebenso wird erwartet, dass die Lebensmittelindustrie von den steigenden Nahrungsmittelpreisen und der steigenden Inlandsnachfrage profitieren wird. Insgesamt verlassen aber viele Produkte das Land in unverarbeitetem Zustand. Politische InstabilitĂ€t und Korruption haben inlĂ€ndische wie auslĂ€ndische Investoren von kapitalintensiven Projekten abgehalten.cite-ref-aeo2008-46-6[46] Der Umfang auslĂ€ndischer Investitionen an der ElfenbeinkĂŒste liegt unter dem Durchschnitt der in Afrika sĂŒdlich der Sahara getĂ€tigten Auslandsinvestitionen.

Am 18. Mai 2015 wurde die erste industrielle Schokoladenfabrik (10.000 t/Jahr) im Land von PrÀsident Alassane Ouattara eröffnet.cite-ref-121[121]

Tourismus

Der Tourismus hat ein hohes Potential an der ElfenbeinkĂŒste. Das Land hat 520 km AtlantikkĂŒste mit zahlreichen StrĂ€nden, vielen Nationalparks mit seltener Flora und Fauna und Ethnien mit vielfĂ€ltiger Kultur, so dass Touristen genĂŒgend Attraktionen geboten werden können.

Die ivorische Regierung hat dies erkannt und auch einiges an gesetzlicher Grundlage und materieller Infrastruktur geschaffen. Die ElfenbeinkĂŒste blieb trotzdem bis in die 1980er Jahre zunĂ€chst primĂ€r ein Ziel fĂŒr GeschĂ€ftsreisende, wenngleich sich einige AuslĂ€nder dauerhaft in dem Land ansiedelten, um dort zu leben. Die antifranzösischen Ausschreitungen (die sich auch gegen Nicht-Franzosen richteten), die folgende Evakuierung und der BĂŒrgerkrieg haben jedoch den Fremdenverkehr vollstĂ€ndig zum Erliegen gebracht.

Finanzwirtschaft

Das Budget der Regierung fĂŒr 2008 betrug 2129 Milliarden XOF, wovon drei Viertel aus Steuereinnahmen stammen. Der Rest stammt aus anderen ivorischen Quellen, Schuldenaufnahme und StĂŒtzungszahlungen aus dem Ausland. Besonders hoch sind die Ausgaben fĂŒr AbrĂŒstung, soziale Reintegration, fĂŒr die Organisation einer Wahl, fĂŒr den Aufbau einer nationalen Armee und fĂŒr das Wiedererlangen der staatlichen Kontrolle ĂŒber das gesamte Territorium.

Steuersystem

Angesichts dessen, dass der informelle Sektor etwa 40 % der Wirtschaftsleistung erbringt,cite-ref-bfai-39-8[39] versucht der Staat, seine Steuereinnahmen zu erhöhen und die Eintreibung zu rationalisieren. Zu diesem Zweck laufen Programme, eine einheitliche Mehrwertsteuerrechnung einzufĂŒhren und um die Zollabwicklung zu verbessern. Alles in allem ist der Staatshaushalt in etwa ausgeglichen.

Bankwesen

Das Bankensystem der ElfenbeinkĂŒste findet langsam zur NormalitĂ€t zurĂŒck. Nachdem wĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges alle Banken im Norden der ElfenbeinkĂŒste schließen mussten, öffnen die Bankfilialen nach und nach wieder. Dies gilt auch fĂŒr den Mikrofinanzsektor. Die Banken werden durch etwa 20 % fauler Kredite in ihren BĂŒchern belastet; an vielen dieser faulen Kredite trĂ€gt der Staat Schuld, weil er seine Rechnungen nicht bezahlt.cite-ref-aeo2008-46-7[46]

Kapitalmarkt

Das Land fĂŒhrt eine gemeinsame Wertpapierbörse mit weiteren westafrikanischen LĂ€ndern. Sie ist als Bourse RĂ©gionale des Valeurs MobiliĂšres (BRVM) bekannt.

WĂ€hrung

Die ElfenbeinkĂŒste ist Mitgliedsstaat der WAEMU. Die Funktion einer Zentralbank ĂŒbernimmt die Westafrikanische Zentralbank (BCEAO), welche sich das Land mit anderen Staaten der Region teilt.cite-ref-122[122] Dies bedingt auch die GemeinschaftswĂ€hrung des CFA-Franc.

Außenwirtschaft

Die ElfenbeinkĂŒste ist Mitglied in mehreren regionalen Organisationen, die die wirtschaftliche Integration zum Ziel haben. Die wichtigsten sind die Westafrikanische Wirtschafts- und WĂ€hrungsunion UEMOA und die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS.

Die ElfenbeinkĂŒste hatte in der Vergangenheit dank der Kakao- und Erdölexporte immer eine positive Handelsbilanz. Bis heute (Stand 2020) ist die ElfenbeinkĂŒste der grĂ¶ĂŸte Exporteur von Kakao.cite-ref-123[123] Im Jahre 2007 exportierte die ElfenbeinkĂŒste Waren im Wert von 6,2 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 4 Milliarden Euro. Wichtigste ExportgĂŒter sind Erdölprodukte und Rohöl, Kakao, Holz, Kaffee, Cashew-NĂŒsse, Baumwolle, Naturkautschuk, Palmöl, Fisch, Textilien, Zement und TropenfrĂŒchte. Importiert werden hingegen Rohöl und Erdölprodukte, industrielle Rohstoffe, Lebensmittel, GetrĂ€nke sowie InvestitionsgĂŒter. Wichtigste ZielmĂ€rkte fĂŒr die Exporte der ElfenbeinkĂŒste sind die EU (41,1 %) und hier vor allem Frankreich, die anderen LĂ€nder der UEMOA (12,6 %), die USA (7,1 %) und asiatische Staaten (4,3 %). Importiert wird vor allem aus der EU (32,7 %), aus Asien (17,4 %), aus den USA (2,9 %) und den UEMOA-Staaten (0,9 %).

Seit 2010 steigen die Importe rasch an, wĂ€hrend die Kakao- und Ölexporte sanken. 2012 war das erste Jahr mit einem Außenhandelsdefizit.cite-ref-124[124]

Die Exporte nach Deutschland bestehen fast nur aus Kakao und Erdöl. Der in Deutschland verarbeitete Kakao stammte 2007 zu etwa 60 % aus der ElfenbeinkĂŒste. Aus Deutschland importiert werden vor allem Fahrzeuge, Maschinen und Pharmazeutika. FĂŒr die deutschen Exporte spielt die ElfenbeinkĂŒste als Markt nur eine sehr untergeordnete Rolle, sie belegen 2021 in der Außenhandelsstatistik den 92. Platzcite-ref-125[125].

AuslĂ€ndische Investitionen stammen in der ElfenbeinkĂŒste vor allem aus Frankreich, SĂŒdafrika, Großbritannien und den NachbarlĂ€ndern. Sie sind jedoch im Jahresvergleich sehr stark schwankend.cite-ref-bfai-39-9[39]

Die Außenverschuldung betrug 2007 64 % des BIP und 124 % der Exporte eines Jahres. Es zĂ€hlt somit zu der Gruppe der Hochverschuldeten EntwicklungslĂ€nder. Im April 2002 waren bereits umfangreiche Schuldenstreichungen von Seiten der G8 zugesagt. Der BĂŒrgerkrieg hat diesen Prozess jedoch verzögert. 2012 erfolgte ein Schuldenschnitt.

Die ElfenbeinkĂŒste ist Mitglied der International Cocoa Organization, welche seit 2017 ihren Hauptsitz in Abidjan hat.

Korruption

Ein großes Problem des Staates ist der hohe Grad an Korruption. CĂŽte d’Ivoire belegte 2010 mit Platz 146 von 178 einen der untersten PlĂ€tze in der Statistik von Transparency International. 2017 hatte sich das Land auf Platz 103 von 180 verbessert.cite-ref-126[126]

Exemplarisch dafĂŒr steht der GiftmĂŒllskandal aus dem Jahr 2006: Anfang September 2006 wurde bekannt, dass von einem auslĂ€ndischen Schiff aus auf mehreren Deponien, aber auch in der offenen Kanalisation und in StraßengrĂ€ben in Abidjan ĂŒber 500 Tonnen GiftmĂŒll abgeladen wurde.cite-ref-127[127] Dieses fĂŒhrte zu ĂŒber 1500 Erkrankungen und mindestens acht TodesfĂ€llen.cite-ref-128[128] Etwa 15.000 Bewohner klagen ĂŒber Vergiftungserscheinungen. Als Reaktion auf diesen GiftmĂŒllskandal erklĂ€rte die Übergangsregierung von MinisterprĂ€sident Banny am 6. September ihren RĂŒcktritt, um rund zehn Tage spĂ€ter mit minimalen Änderungen wieder ihr Amt anzutreten. WĂ€hrend PrĂ€sident Gbagbo auslĂ€ndische MĂ€chte fĂŒr diesen „Anschlag“ auf die ElfenbeinkĂŒste verantwortlich macht, sind Regimekritiker und die Opposition sich einig, dass die erst wenige Wochen zuvor gegrĂŒndete verantwortliche Firma dem Verkehrsminister und Gbagbos Frau Simone gehörten und Schmiergelder in Millionenhöhe geflossen seien.cite-ref-129[129] Ob von den 150 Millionen Euro, die das Unternehmen Trafigura an EntschĂ€digungen zahlte, jemals etwas an die Opfer weitergegeben wurde, ist ebenfalls zweifelhaft.cite-ref-130[130]

Staatshaushalt

Der Staatshaushalt umfasste 2016 Ausgaben von umgerechnet 8,170 Mrd. US-Dollar, dem standen Einnahmen von umgerechnet 6,839 Mrd. US-Dollar gegenĂŒber. Daraus ergibt sich ein Haushaltsdefizit in Höhe von 3,7 % des BIP.cite-ref-cia-33-2[33]

Die Staatsverschuldung betrug 2016 17,2 Mrd. US-Dollar oder 48,7 % des BIP.cite-ref-cia-33-3[33] Nach den Unruhen von 2010/2011 wurde die ElfenbeinkĂŒste im Februar 2011 zahlungsunfĂ€hig. Im Juni 2012 wurden ihr nach einem Abkommen mit den GlĂ€ubigern 7,7 Mrd. US-Dollar Schulden erlassen.cite-ref-131[131]

2006 betrug der Anteil der Staatsausgaben (in % des BIP) folgender Bereiche:

‱ Gesundheit:cite-ref-fischer-132-0[132] 3,8 %
‱ Bildung:cite-ref-cia-33-4[33] 4,6 % (2001)
‱ MilitĂ€r:cite-ref-cia-33-5[33] 1,6 % (2005)

2013 betrug der Anteil der Staatsausgaben insgesamt 24,6 % des BIP, der Anteil der Staatseinnahmen 21,7 % des BIP. FĂŒr Sozialausgaben wurden 1,7 % des BIP aufgewendet.cite-ref-134[133.1]

Infrastruktur

Verkehr

Straßenverkehr

Das Straßennetz der ElfenbeinkĂŒste ist im Vergleich westafrikanischer Staaten gut ausgebaut. Im Jahr 2000 hatte es eine LĂ€nge von 85.000 Kilometern, davon 75.500 Kilometer unbefestigt, 6500 Kilometer asphaltierte Straßen und 150 Kilometer Autobahn. Per Straße ist das Land mit seinen Nachbarn Ghana, Liberia, Mali und Burkina Faso verbunden.cite-ref-135[134] Die Autoflotte der ElfenbeinkĂŒste wird auf 600.000 Fahrzeuge geschĂ€tzt, davon drei Viertel Gebrauchtwagen aus anderen LĂ€ndern. Jedes Jahr gibt es 20.000 Neuzulassungen. Der öffentliche Verkehr wird fast zur GĂ€nze auf der Straße abgewickelt, entweder in Linienbussen oder in Sammeltaxis, die in der ElfenbeinkĂŒste Taxi-Brousse heißen.

Etwa drei Viertel der Straßen befindet sich in gutem Zustand, wobei die strategisch wichtige Nord-SĂŒd-Verbindung in besonders schlechtem Zustand ist. Im Jahr 2009 wurde nur etwa ein Viertel dessen ausgegeben, was notwendig gewesen wĂ€re, um das Straßennetz zu warten und wieder in Stand zu setzen.cite-ref-fosterpushak13-136-0[135]

Nur etwa ein Drittel der Landbevölkerung hat im Umkreis von zwei Kilometer Zugang zu einer ganzjĂ€hrig befahrbaren Straße. Es wĂ€ren etwa 20.000 km neuer Straßen notwendig, um 80 % der Ackerbaugebiete, und damit 50 % der Landbevölkerung, zu erschließen. Neben der Unterfinanzierung trĂ€gt auch die Duldung ĂŒberladener LKWs zu schlechten StraßenzustĂ€nden bei. Korrupte Polizisten nehmen an den ivorischen Straßen jĂ€hrlich schĂ€tzungsweise zwischen 200 und 290 Millionen US-Dollar an illegalem Wegzoll von Spediteuren und Reisenden ein. Dieser außerordentlich hohe Wert schwĂ€cht die WettbewerbsfĂ€higkeit der ElfenbeinkĂŒste als Transitland fĂŒr den Handel seiner Nachbarstaaten.cite-ref-fosterpushak13-136-1[135]

Schienenverkehr

Die Abidjan-Niger-Bahn verbindet das Land mit Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso. Diese wĂ€hrend der Kolonialzeit erbaute Strecke hat besonders fĂŒr die Binnenstaaten Burkina Faso, Niger und Mali eine hohe Bedeutung. Sie ist etwa 1260 Kilometer lang, etwa die HĂ€lfte davon verlĂ€uft innerhalb der ElfenbeinkĂŒste. Seit 1995 wird die Linie vom privaten Konsortium Sitarail betrieben, das seitdem Warentransport und ProduktivitĂ€t stĂ€ndig steigern konnte und heute der erfolgreichste Bahnbetreiber Westafrikas ist, wenngleich die Indikatoren weit entfernt von jenen eines europĂ€ischen Betreibers liegen. Obwohl sich die Gesellschaft nach dem BĂŒrgerkrieg, aufgrund dessen das Frachtvolumen von 800 auf 100 Millionen Tonnen eingebrochen war, erholt hat und nun jĂ€hrlich knapp eine Million Tonnen befördert, war sie nicht in der Lage, die bei Konzessionsvergabe zugesagten Investitionen zu tĂ€tigen. Der Investitionsbedarf, um Anlagen und Fahrzeuge instand zu setzen und zu modernisieren, wird auf 230 Millionen US-Dollar im Zeitraum zwischen 2008 und 2020 geschĂ€tzt.cite-ref-fosterpushak16-137-0[136]

Luftverkehr

Es existieren drei internationale FlughĂ€fen in der ElfenbeinkĂŒste, in Abidjan, Yamoussoukro und BouakĂ©. Daneben gibt es regionale FlughĂ€fen in 14 weiteren StĂ€dten und 27 Flugfelder. Die meisten sind jedoch seit Ausbruch des BĂŒrgerkrieges außer Betrieb. Seitdem zu Beginn der 2000er Jahre zahlreiche afrikanische Fluglinien bankrottgingen, hat sich das Angebot an Verbindungen von Abidjan aus stark verschlechtert, der Inlandsluftverkehr kam sogar ganz zum Erliegen. Der Luftverkehr der ElfenbeinkĂŒste hat wie jener seiner NachbarlĂ€nder ein Sicherheitsproblem: Keiner der FlughĂ€fen und keine der Fluglinien hat die internationalen Sicherheitsaudits bestanden.cite-ref-fosterpushak19-138-0[137] Einheimische Fluglinien mussten in der Vergangenheit öfter den Flugbetrieb einstellen, wie Air Afrique 2002 und Air Ivoire 2011. Seit 2012 bietet Air CĂŽte d'Ivoire FlĂŒge innerhalb Westafrikas an.

Schifffahrt

In der ElfenbeinkĂŒste befinden sich zwei SeehĂ€fen, der Port autonome d’Abidjan und der Port autonome de San-PĂ©dro. Bis zum Jahr 2002 war der Hafen von Abidjan der wichtigste und grĂ¶ĂŸte Westafrikas. Er ist nicht nur fĂŒr die ElfenbeinkĂŒste von Bedeutung, sondern auch fĂŒr die der nördlich angrenzenden Binnenstaaten. 2005 wurden im Hafen von Abidjan 18,7 Millionen Tonnen umgeschlagen, im Hafen von San-Pedro eine Million Tonnen.cite-ref-139[138]cite-ref-140[139] Durch den BĂŒrgerkrieg ist der Umschlag jedoch eingebrochen. Seit 2007 hat sich die Situation normalisiert, 2008 wurde ein Container-Terminal in Betrieb genommen und 2010 ein Programm gestartet, um mit 50 Millionen US-Dollar die Anlagen zu modernisieren. Somit schlĂ€gt der Hafen von Abidjan die GĂŒter zwar schneller um als seine Mitbewerber in den NachbarlĂ€ndern, hat aber auch höhere Kosten. Entscheidend fĂŒr die ElfenbeinkĂŒste wird es sein, ob die Entwicklung und der Erhalt der Verkehrs-Infrastruktur im Hinterland gelingt.cite-ref-fosterpushak18-141-0[140]

Telekommunikation

Die ElfenbeinkĂŒste hat – wie viele andere afrikanische Staaten – einen Boom im Telekommunikationssektor erlebt. Im Jahr 2005 wurde ein Rahmen geschaffen, der zu starkem Wettbewerb unter den Anbietern von Mobilfunk-Leistungen fĂŒhrte. Da das gesamte Land kostendeckend mit Mobilfunk versorgt werden kann, gehört die ElfenbeinkĂŒste zu den fĂŒr die Anbieter interessantesten afrikanischen LĂ€ndern. Der Zugang zu Mobilfunk stieg in der Folge von 9 % der Ivorer im Jahr 2005 auf 51 % im Jahr 2008. Die Preise sind jedoch im afrikanischen und internationalen Vergleich hoch. Die Festnetztelefonie spielt in der ElfenbeinkĂŒste seitdem keine nennenswerte Rolle mehr. Die ElfenbeinkĂŒste ist an das internationale Unterseekabel South Atlantic 3 angeschlossen. Da der staatliche Telekom-Betreiber das Monopol ĂŒber diesen Knoten besitzt, sind die Preise fĂŒr Internet-Zugang relativ hoch.cite-ref-fosterpushak32-142-0[141] Im Jahr 2022 nutzten 38,4 Prozent der Einwohner der ElfenbeinkĂŒste das Internet.cite-ref-143[142]

Energie- und Wasserversorgung

Siehe auch

:

Liste von Kraftwerken in der ElfenbeinkĂŒste

Im Jahr 2005 wurden 5,31 Milliarden kWh elektrische Energie erzeugt,cite-ref-144[143] davon etwa 73 % aus WĂ€rmekraftwerken, die mit heimischem Erdgas betrieben werden. 27 % stammen aus Wasserkraft. Die Erzeugung, Übertragung, Verteilung, Abrechnung und der internationale Handel mit elektrischer Energie liegt bei der 1990 gegrĂŒndeten Compagnie Ivoirienne d’électricitĂ©, die die Konzession dazu bis zum Jahr 2020 erhalten hat.cite-ref-145[144] Die ElfenbeinkĂŒste ist ein Exporteur von elektrischer Energie und war dies auch wĂ€hrend der Krise; Abnehmer sind vor allem die NachbarlĂ€nder Ghana, Mali, Burkina Faso und Togo. Im Jahre 2005 hatte trotz allem weniger als die HĂ€lfte der Bevölkerung Zugang zu ElektrizitĂ€t, auf dem Land war es gar nur ein Viertel. WĂ€hrend des BĂŒrgerkrieges wurden die Wartung und der Ausbau der Anlagen vernachlĂ€ssigt, was sich in zahlreichen StromausfĂ€llen Ă€ußert, speziell nach dem Ende des Krieges, als der Bedarf anstieg.cite-ref-146[145] Der Energiesektor der ElfenbeinkĂŒste produziert jĂ€hrlich ein Defizit von 200 bis 300 Millionen US-Dollar, da er in seinem Netz hohe Verluste hat und die gestiegenen Brennstoffpreise nicht an die Verbraucher weitergeben kann. FĂŒr die Periode von 2006 bis 2015 wurde ein Finanzierungsbedarf von knapp 1 Milliarde US-Dollar ermittelt, um das System zu erhalten, neue KapazitĂ€ten zu schaffen und 73 % der Bevölkerung mit elektrischer Energie zu versorgen.cite-ref-147[146]

Mehr als die HÀlfte der armen Haushalte hat keinen Zugang zu sauberem Wasser, wobei dieser Prozentsatz im lÀndlichen Norden viel höher ist. Die Wasserversorgung wird seit 1959 von der privaten SODECI betrieben, die die Erweiterungen des Wassernetzes selbst finanziert hat und trotz aller Krisen einen stabilen Betrieb sichern konnte. Dennoch ist sie aufgrund eines zu niedrigen Wasserpreises nicht in der Lage, ihre Kosten zu decken. Das Abwassersystem ist indes weit weniger entwickelt: etwa ein Drittel der Bevölkerung hatte 2008 nicht einmal Zugang zu einer Latrine.cite-ref-fosterpushak21-148-0[147]

Kultur

Holzschnitzerei

Bekannt sind die traditionellen Holzmasken der im Westen des Landes siedelnden Yakuba (Dan), die ein idealisiertes menschliches Gesicht zeigen und im Schlammbad geschwĂ€rzt werden. Die Yakuba kennen eine große Zahl von Maskengestalten, die Buschgeister reprĂ€sentieren und verschiedene soziale, politische und religiöse Aufgaben erfĂŒllen.

Literatur

Die ElfenbeinkĂŒste hat, wie viele andere afrikanische KulturrĂ€ume auch, eine dichterische Tradition, die ausschließlich mĂŒndlich weitergegeben wurde. Schriftliteratur hingegen gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert in französischer Sprache.

Die ElfenbeinkĂŒste hat eine fĂŒr afrikanische VerhĂ€ltnisse gut etablierte Verlagslandschaft und zahlreiche Autoren verschiedener Genres mit unterschiedlichem Bekanntheitsgrad. Besonders lebhaft ist das Theater, wohl weil es im traditionellen Drama verwurzelt ist und auch wegen der hohen Analphabetenquote.cite-ref-149[148] Die bekanntesten Dramatiker sind François-Joseph Amon d’Aby, Germain Coffi Gadeau und Bernard Binlin DadiĂ©, ein Journalist, ErzĂ€hler, Dramaturg, Romancier und Dichter, der die ivorische Literatur der 1930er Jahre dominierte. Wichtige Romanciers sind AkĂ© Loba (Ein schwarzer Student in Paris, 1960) und Ahmadou Kourouma (Der schwarze FĂŒrst), der den Prix du Livre Inter im Jahre 1998 fĂŒr sein Werk Die NĂ€chte des großen JĂ€gers erhielt, der ein Klassiker der afrikanischen Literatur ist.

Zur neueren Generation ivorischer Autoren zÀhlen die in Paris geborene und heute in Johannesburg lebende Véronique Tadjo (* 1955), die Lyrikerin und Romanautorin Tanella Boni (* 1954) und die beiden ungeheuer produktiven Autoren Isaie Biton Koulibaly (* 1949) und Camara Nangala (* 1955).

Musik

Die verschiedenen Ethnien der ElfenbeinkĂŒste haben teilweise unterschiedliche musikalische Traditionen, so dass die traditionelle Musik des Landes recht mannigfaltig ist. In vielen Musikstilen gibt es polyphonen Gesang oder zweistimmigen Call and Response, hĂ€ufig zusammen mit dem polyrhythmischen Einsatz von Rasseln, Glocken, einfachen Trommeln oder Talking Drums. Bei den Senufo wird der Gesang zumeist von einem Balafon begleitet, bei den Dan eher von schnarrenden Trommeln. Zu den sehr alten Instrumenten gehören Flöten, hölzerne Eintonhörner, Schlitztrommeln, Xylofone, dreieckige Rahmenzithern und Musikbögen.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurden Eintonhörner durch westliche Blasinstrumente ersetzt. Aus dem britischen MilitĂ€rmusikerbe, das im Nachbarland Ghana gepflegt wurde, der Zeremonialmusik lokaler Clanchefs und mit aus Frankreich eingefĂŒhrten Instrumenten entwickelte sich die lebhafte Musik großer ReprĂ€sentationskapellen, wie die Sankro Brass Band, die Asiakwa Brass Band oder Les Fanfares de Sankadiokro.

Als Vater der heutigen ivorischen Popmusik gilt Ernesto DjĂ©djĂ©, der Rhythmen der BĂ©tĂ© populĂ€r machte; seinen Musikstil nannte er Ziglibithy. Er ist fĂŒr seinen Hit Gnoantre-ZibotĂ© (1977) auch außerhalb des Landes bekannt geworden. Nach ihm kamen Luckson Padaud mit dem Laba-laba-Stil, und Gnaore Djimi mit Polihet. In den 1990er Jahren entstand der Zoblazo, indem Meiway traditionelle Rhythmen aus der sĂŒdlichen ElfenbeinkĂŒste mit elektronischen Instrumenten und Unterhaltungslyrik versetzte. Weitere sehr junge Stilrichtungen sind Zouglou (Magic System) und CoupĂ© DecalĂ©. Es gibt keine nationale Musikkultur, die ElfenbeinkĂŒste ist aber Gastland fĂŒr viele Musiker der NachbarlĂ€nder, die in Abidjan die besseren Studiomöglichkeiten finden.

Die populĂ€rsten auslĂ€ndischen Musikstile, die in die ElfenbeinkĂŒste kamen, sind Reggae und Hip-Hop. Die beiden wichtigsten Reggae-KĂŒnstler des Landes sind Alpha Blondy, dessen Afro-Reggae seit seinem Auftreten in der Fernsehshow First chance (1983) in ganz Westafrika populĂ€r wurde, und Tiken Jah Fakoly, der wegen seiner politischen Texte ins Exil gehen musste. Bedeutende ivorische Hip-Hop-Musiker sind All Mighty, Rudy Rudiction, M. C. Claver und Angelo.

Architektur

In der ElfenbeinkĂŒste sind zahlreiche Bauwerke aus kolonialem Erbe erhalten. Dazu zĂ€hlen zunĂ€chst der Palais du Gouverneur in Grand-Bassam, der in Frankreich vorgefertigt und 1893 in der ElfenbeinkĂŒste aufgebaut und erweitert wurde. In Grand-Bassam stehen viele weitere pittoreske GebĂ€ude in kolonialem Stil, wie das maison Varlet oder das maison Ganamet, die von reichen HĂ€ndlern gebaut wurden, die einheimische Baumaterialien verwendeten.

Im Norden des Landes sind einige Moscheen im sudanesischen Stil erhalten geblieben, der wĂ€hrend der Herrschaft des Malireiches in dieser Region eingefĂŒhrt wurde. Die bedeutendsten dieser Bauwerke sind die Moschee von Kaouara (DĂ©partement Ouangolodougou), die Moschee von TengrĂ©la, die Moschee von Kouto, die Moschee von Nambira (UnterprĂ€fektur M’BenguĂ©), und speziell die beiden Moscheen von Kong.cite-ref-150[149]

Moderne Religiöse Bauwerke sind die Cathédrale Saint-Paul in Abidjan und die Notre-Dame-de-la-Paix de Yamoussoukro in Yamoussoukro.

Kunst

Die Völker der ElfenbeinkĂŒste haben eine lange Tradition, Gebrauchsutensilien, Statuen oder Masken aus verschiedenen Materialien kĂŒnstlerisch herzustellen. Aus Holz, Bronze, Raphia, Rattan oder auch Bambus werden Körbe, Skulpturen, Möbel, Masken oder Statuen hergestellt.

Die Masken der Dan, Baule, Guro, Guere oder BĂ©tĂ© sind die bekanntesten. Die Baule verstehen sich sehr gut auf die Weberei und die Senufo sind, unter anderem, bekannt fĂŒr ihre Malereien auf Stoff. Kleine Figuren aus Kupfer, die frĂŒher zum Wiegen von Gold benutzt wurden, sind heute Verzierung, besonders bei den Akan. Die Katiola wiederum sind berĂŒhmt fĂŒr ihre Töpfereierzeugnisse, die von den Frauen in Handarbeit hergestellt werden.

Viele Kunstartikel kommen heute in den touristisch geprĂ€gten StĂ€dten an der KĂŒste (also Grand-Bassam oder Assinie) zum Verkauf.

WĂ€hrend die traditionelle Volkskunst eher anonym ist, stammen auch einige bekannte KĂŒnstler aus der ElfenbeinkĂŒste, etwa die Maler Gilbert G. Groud oder Michel Kodjo, die hĂ€ufig beachtete Werke hervorbringen, oder der Karikaturist ZohorĂ© Lassane, der das Humor- und Satireblatt Gbich! gegrĂŒndet hat.

KĂŒche

Die KĂŒche der ElfenbeinkĂŒste ist aufgrund der vielfĂ€ltigen ethnischen Zusammensetzung des Landes ebenfalls sehr facettenreich, hat aber viele Ähnlichkeiten mit der KĂŒche der anderen westafrikanischen Staaten. Als Grundnahrungsmittel finden Getreide und Wurzeln Verwendung, vor allem Reis, Mais, Hirse, Grieß, Maniok, Yams, Taro, SĂŒĂŸkartoffeln und auch Kochbananen. Wichtigster Fleischlieferant ist das GeflĂŒgel, seltener Rind oder Schwein, an der KĂŒste auch Fisch und MeeresfrĂŒchte. Als GemĂŒse werden Zwiebeln, Tomaten, Auberginen, Bohnen, Avocados, Karotten, Okra und Spinat bevorzugt. Das tropische Klima bietet zahlreiche FrĂŒchte wie Bananen, Papaya, Ananas, Granatapfel, Kokosnuss, Mangos, Mandarinen, Melonen, BrotfrĂŒchte, Guaven, Zitronen, Orangen und Grapefruits. Das Essen ist in der Regel scharf bis sehr scharf gewĂŒrzt und wird mit den Fingern gegessen. SpezialitĂ€ten sind z. B. AttiĂ©kĂ©, eine Art Couscous aus Maniok, oder Alloco, frittierte Kochbananenchips.

In der ElfenbeinkĂŒste sind, wie in vielen anderen westafrikanischen Staaten auch, Maquis sehr verbreitet, Straßenrestaurants, in denen einfaches Essen in der Regel unter freiem Himmel serviert wird.

Medien

Das wichtigste Medium in der ElfenbeinkĂŒste ist das Radio. Die staatliche Radiodiffusion-TĂ©lĂ©vision ivoirienne betreibt zwei Stationen namens La Chaine Nationale und Frequence 2. Daneben gibt es speziell in den StĂ€dten zahlreiche Privatsender (etwa Radio Nostalgie in Abidjan) und die lĂ€ndlichen Gegenden werden von nicht-kommerziellen Sendern mit wenig Leistung abgedeckt, die teils auch von der römisch-katholischen Kirche betrieben werden. Die ONUCI betreiben den Sender Onuci FM. Neben den einheimischen Sendern werden auslĂ€ndische Stationen wie Africa Radio, Radio France Internationale oder BBC Afrique empfangen.

Radiodiffusion-TĂ©lĂ©vision ivoirienne betreibt auch zwei Fernsehsender, nĂ€mlich La PremiĂšre und TV2. Privatfernsehen gibt es in der ElfenbeinkĂŒste nicht.

Printmedien haben eine sehr geringe Verbreitung. Die wichtigsten Zeitungen sind die staatliche FraternitĂ© Matin, die privaten Soir Info, Le Nouveau Reveil, L’Inter, das Oppositionsblatt Le Patriote, Notre Voie der Regierungspartei und Nord-Sud. Erstere hat eine Auflage von 30.000, die Letzteren kommen ĂŒber 10.000 nicht hinaus.

Die staatliche Nachrichtenagentur heißt Agence Ivoirienne de Presse.cite-ref-151[150]cite-ref-152[151]

Die Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen sieht in der ElfenbeinkĂŒste eine zufriedenstellende Lage fĂŒr die Pressefreiheit.cite-ref-153[152]

Sport

Der wichtigste und meist betriebene Sport in der Republik CĂŽte d’Ivoire ist der Fußball. Die ivorische Fußballnationalmannschaft ist derzeit eine der zehn erfolgreichsten Nationalmannschaften Afrikas. Die grĂ¶ĂŸten Erfolge bei internationalen Turnieren waren bisher der Gewinn des Afrika-Cups 1992 und 2015, zwei zweite PlĂ€tze 2006 und 2012, ein vierter Platz beim Konföderationen-Pokal 1992, dritte PlĂ€tze bei den Afrika-Cups 1965, 1968, 1986 und 1994 und ein vierter Platz 1970. Am 8. Oktober 2005 qualifizierte sich die Mannschaft, neben den Mannschaften Tunesiens, Togos, Ghanas und Angolas, fĂŒr die Fußball-Weltmeisterschaft 2006, ein bedeutender Meilenstein in der ivorischen Fußballgeschichte. Dort errang die Mannschaft einen 3:2-Sieg gegen die Auswahl von Serbien und Montenegro. Bei den WM-Qualifikationen 2010 und 2014 gelang der ElfenbeinkĂŒste als Tabellenerster die Teilnahmen an den Endrunden in SĂŒdafrika und in Brasilien.

Rugby Union erfreut sich ebenfalls zunehmender Beliebtheit. Die ivorische Rugby-Union-Nationalmannschaft qualifizierte sich 1995 erstmals fĂŒr eine Rugby-Union-Weltmeisterschaft, bei dem Turnier in SĂŒdafrika landete man in der Gruppenphase jedoch auf dem letzten Platz. Die ElfenbeinkĂŒste ist einer der Teilnehmer bei der Rugby-Union-Afrikameisterschaft und trifft dort auf andere aufstrebende Nationalmannschaften. Dort gelang jedoch noch kein Turniersieg, das bisher beste Ergebnis ist der vierte Platz 2007.

Die ivorische Stadt Abidjan war Gastgeber der Basketball-Afrikameisterschaften 1985 und 2013 und die ivorische Basketballnationalmannschaft gewann die Turniere 1981 und 1985.

Seit 1968 wird die Rallye ElfenbeinkĂŒste, eine der hĂ€rtesten Rallyes, ausgetragen. Im Jahr 1972 kam kein Fahrzeug ins Ziel. Von 1978 bis 1992 war sie Teil der Rallye-Weltmeisterschaft.

Special Olympics ElfenbeinkĂŒste wurde 1991 gegrĂŒndet und nahm mehrmals an Special Olympics Weltspielen teil.

Literatur

‱ Wolf Tietze et al.: Westermann Lexikon der Geographie. Georg Westermann, Braunschweig 1968. Band 1 A–E.
‱ Verwaltungsorganisation. (PDF) CGLU (französisch).

Weblinks

Commons

: ElfenbeinkĂŒste

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wiktionary: ElfenbeinkĂŒste

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Wikivoyage: ElfenbeinkĂŒste

– ReisefĂŒhrer

‱ Atlas: ElfenbeinkĂŒste – geographische und historische Karten bei Wikimedia Commons
‱ WebprĂ€senz Gouvernement CĂŽte d’Ivoire (französisch)
‱ LĂ€nderinformationen des AuswĂ€rtigen Amtes, des Eidgenössischen Departements fĂŒr auswĂ€rtige Angelegenheiten und des Bundesministerium fĂŒr Europa, Integration und Äußeres zu CĂŽte d’Ivoire
‱ Datenbank inhaltlich erschlossener Literatur zur gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Situation in der ElfenbeinkĂŒste
‱ Ivory Coast profile auf BBC News (englisch)
‱ CIA World Factbook: ElfenbeinkĂŒste (englisch)

Einzelnachweise

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cite-note-22. Population growth (annual %). In: World Economic Outlook Database. World Bank, 2021, abgerufen am 14. Juli 2022 (englisch).
cite-note-bip-imf-33. GDP, current prices Billions of U.S. dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler WĂ€hrungsfonds, 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch). ; GDP, current prices Purchasing power parity; billions of international dollars. In: IMF DataMapper. Internationaler WĂ€hrungsfonds, 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch). GDP per capita, current prices. U.S. dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler WĂ€hrungsfonds, 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch). ; GDP per capita, current prices - Purchasing power parity; international dollars per capita. In: IMF DataMapper. Internationaler WĂ€hrungsfonds, 2025, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
cite-note-hdi-44. Table: Human Development Index and its components. In: Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (Hrsg.): Human Development Report 2025. United Nations Development Programme, New York 2025, ISBN 978-92-1154263-9, S. 280 (englisch, undp.org [PDF]).
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8-6coordinatesKoordinaten: 8° N, 6° W